Sonntag, 22. Juli 2007

Ein Sommerabend in Dresden

Die Liebste besucht "Carmen" unter freiem Himmel in Riesa. Und ich treffe meinen Freund Frank in Dresden. Erster Feriensonnabend. Der Sommer liegt vor unseren Füßen. Im "Wenzel" trinken wir beschirmt Bier und Radler und prosten Toralf im fernen Korea via Mobiltelefon zu. Kinoabend in der Schauburg. Tarantino statt im klimatisierten UCI-Saal gefühlsecht zum Schwitzen. Noch dazu ein überschaubares Publikum, das nicht nur wegen des Blutes ein Billett erwarb. Auch mit Frank allein landen wir zufälliger Weise in Reihe sieben. Er wehrt sich beharrlich gegen die Theorie, dass man dort am besten sitze. Seit "Die Träumer" weiß man, dass der Film vorn als erstes ankommt.


"Death Proof" - Todsicher. Die Hommage des Meisters an die Billigfilme der Sechziger und Siebziger. Nach coolem Soundtrack, grellen Bildern, einigen Schockszenen, grottigen Dialogen ("Ich heiße Stuntman Mike." Was machst du?" "Ich bin Stuntman.") und vielen Sprüchen, die man sich merken will und sie trotzdem vergisst, bleibt die Frage, die sich immer stellt. Entweder ist der Film Kunst oder einem kranker Schnipsel Phantasie (drei toughe Ladies verdreschen einen Fiesling gehörig) vorangestellte 100 Minuten Bildmaterial. Da wir beide aber Liebhaber des Regisseurs sind, glauben wir an Ersteres. So ist sicher jedes Filmposter an einer schmierigen Wand am Set, jede Cornflakes-Packung, jeder Song der Jukebox Chiffre für Kindheits- und Jugenderlebnisse des Filmemachers. Und im günstigen Fall auch der eigenen. Die Ente auf der stahlverstärkten Kühlerhaube des 1970er Chevy Novas stammt aus "Convoy" von 1978. Und schon erinnere ich mich an die Montage in der Schule, als wir Neuntklässler versuchten, Burt Reynolds schwarzen Trans M zu beschreiben, mit dem er Sonnabendnacht der Highway-Polizei davongerast war. Ich mag besonders die bewusst "zerstörten Bilder" und "verpfuschten" Schnitte des ersten Filmteils. 70er Jahre! Und wir freuten uns, wenn Tarantino sich selbst zitiert: KillBill-Pfeifen als Klingelton. Gelbes Auto und Röckchen. Der Scheriff und sein Sohn. Alles andere überlassen wir der Wissenschaft. Zitat aus TV-Today: "Death Proof" ist Tarantino pur, mit genug Zitaten, um einer Generation von Filmstudenten die Diplomarbeit zu sichern.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebster, soweit ich weiß, war ich gestern in Torgau, und wo warst Du?

Anonym hat gesagt…

Schwer zu glauben, aber es war mein erstes Tarantino-Kino-Erlebnis, Sonntag, 17 45. Und was an so manchen Wänden in Kill Bill seinen Anfang nahm [Red Apple im Flughafen, Charles Bronson im Wohnwagen] führt QT hier wohl nun zur Perfektion.
Um die Selbst-Zitate-Liste zu ergänzen:
1) Stuntfrau Zoe aus dem zweiten Filmteil verteilt ebenso gern Fußmassagen wie es Jules in PF zu tun behauptete
2) QT ist nach wie vor ein Fußfetischist, nur sind es diesmal nicht Uma's Füßchen
3) Und wieder werden im Supermarkt Red Apple gekauft

Aber das man die ganze Aufklärungsarbeit wieder uns zukünftigen (Film-)Studenten zuschiebt, ist unfair, denn sind es nicht die Erfahrungen der gestrigen (nicht böse gemeint) Generation, also QT's Generation, also deiner Generation, die er verarbeitet. So bleibt uns wohl die ein oder andere Chiffre (leider) verschlossen, zwecks mangelnder Zeitgeisterfahrung, wenn es sowas gibt.

Was mir einzig negativ auffiel, war die Synchrostimme des Meisters persönlich. Ist mein Ohr doch an die Stimme Jimmy's [PF] und Seth Gecko's [FDTD] gewöhnt. Der Redeanteil war aber auch nicht so groß, bin gespannt auf seinen Auftritt in Planet Terror.

Fröhliche Ferien und fleißig weiterbloggen...

Anonym hat gesagt…

Wer weiß, vielleicht hat Maria doch "Aida" in Riesa gesehen?
Nun bin ich also auch in deinen Blog gekommen um zu bleiben. Leichtes Einstiegsthema für mich ist natürlich QT's gemeinsam erlebtes Werk. Interessant fand ich beim Lesen deiner Eindrücke, dass du die kurzen Hauptsatzsätze von Stuntman-Mike herausstreichst. Gestern hörte ich auf Radio 1 eine Rezension zum Film (weil Tarantino derzeit für eine Woche in D ist, also Augen auf an der Ostsee oder wo auch immer)von dem deutschen Krank- oder Kunstfilmer Jörg Buttgereit. Sein Highlight des Films ist eben geanu der von dir begonnene Kurt Russell(Buttgereit leistete sich übrigens dabei den Luxus, den Vornamen deutsch auszusprechen)"Dialog", ergänzt um die entscheidende Pointe: "Wie bist du Stuntman geworden?" "Durch meinen Bruder." "Wer ist dein Bruder?" "Stuntman-Bob."
Soviel dazu nud euch noch schöne tage an der Ostsee!