War das ein aufregender Tag? Am Schreibtisch trat ich heute Morgen die Reise an. Vom alten Rom und den Besiedlungen auf dem Palatin zu Remus samt seinem jähzornigen Bruder. Dann ins 18. Jahrhundert. Die Stürmer und Dränger im blauen Frack und gelber Weste. Der lange Schiller mit faulen Äpfeln im Schub des Sekretärs. "Prometheus" brüllt dem Zeus seinen Frust entgegen. Zwischendurch ein Längsschnitt: Machtlegitimation im Wandel - Pharao, Caesar, Ludwig vierzehn, Angela M. ... Zuletzt Maginotlinie, Dünkirchen, Stalingrad. Was für ein schöner Beruf? Am Nachmittag fiel der Stift.
Am Abendbrottisch unterhalten wir uns über Gerüche. Ausgangspunkt ist unser beider ziemlich eindeutig zu benennender Standpunkt, was die Akzeptanz von Achselbehaarung (!) betrifft. (Ist das jetzt zu geschmacklos?) Nichts wirkt auf unser Unbewusstes so wie der Geruch. Inwiefern hat unsere Zivilisation dies aber beeinflusst? Alles ist durchtränkt von künstlichen Aromen. Die Wäsche weichgespült. Die Kosmetik parfümiert. Unsere Nahrung in jeder Hinsicht verstärkt. Die Luft schwer von Industrie der letzten hundertfünfzig Jahre. Unsere Möbel, Textilien, Gebrauchsgüter - dünsten aus! Können wir unserem Unbewussten überhaupt noch vertrauen? Wenn ich mich an den überaus dominanten Achselshirtträger heute beim Lidl erinnere, erscheint mir unsere Diskussion aber schon wieder zu akademisch.
Draußen im Pfarrhaus üben sie für das Weihnachtskonzert. Immer die gleiche Bläser-Passage.
Erkenntnis des Tages: Die ZEIT erklärt die Liebe.
Phase 4 Verlassene zeigen die Zeichen eines Entzugs, weil die
Liebe dieselbe Hirnregion aktiviert wie etwa Kokain.
3 Kommentare:
Ich verlasse Dich nicht. Ich bin zeitweise nicht physisch anwesend.
Und hole Erzählstoff für den Abendbrotstisch ein.
Was ist denn bitte Achsialbehaarung? Entlang einer Achse?
Anne, dann ist alles zu spät!
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