Donnerstag, 27. September 2007

Ich bin Kassenpatient! Wer ist mehr?

Statt einer Widmung:
Die Ähnlichkeiten mit Personen und Geschehnissen sind rein zufällig.
Heute begab es sich, dass einer zum Arzt fuhr. In die Stadt, aus der die Nudeln kommen. Er ward geschickt, da seine Zahnärztin die anstehende Operation nicht selbst durchführen kann. Er suchte die weiße Villa mit dem Schild: KIEFERNCHIRURGIE - ein Begriff der schon an sich durch Mark und Bein fährt. Dort wurde er durchaus freundlich aufgenommen. Auch die Aufforderung, ins Behandlungszimmer zu treten, kam modern aus einem Lautsprecher und erfolgte überaus pünktlich. Der Arzt, sich vom gemeinen Dentisten durch eine blaue Kittel abgrenzend, gab ihm die Hand und die war warm und trocken. Er nahm auf dem Stuhle Platz. "Was haben wir denn?" fragte der Mediziner in der ersten Person Plural. Dass diese Frage jedoch nicht bloß eine rhetorische war, erkannte unser Patient sofort. Nun hatte er schon einige Folgen von Dr. House gesehen und war, was seinen Befund betraf, von seiner Zahnärztin durchaus ins Vertrauen gezogen worden, doch dem Spezialisten das weitere Vorgehen zu erklären, dazu fühlte er sich nicht imstande. "Wo sind denn die Röntgenbilder?" Auch das wusste er nicht und blickte beschämt zur Seit, um dem bohrenden Blicken seines Gegenüber zu entgehen. Denn da war es wieder, dieses Schuldgefühl als Patient nicht genug kooperativ zu sein. "Ohne diese Dinge kann man heute nichts machen!" sprach der Arzt im finalen Tonfall. Unser Zugereister wusste nicht, ob er den Sessel verlassen sollte. Doch dann folgte der Monolog des Äskolapjüngers. Die OP wurde erläutert, in Text und Bild. Und auch d a s eindringlich dargestellt, was eben unter diesen Umständen keinesfalls machbar sei.
Er wollte sich bessern. Er wollte sich alles merken, um es der heimischen Ärztin zu erzählen. Und er nahm es überhaupt nicht persönlich, als der Mediziner im vorgedruckten Feld, in dem erklärt wird, dass der Erfolg des geplanten Eingriffs bei 70 - 90 % liege, die letzte Zahl mit Kuli strich.
Ein Brief wurde trotzdem geschrieben. Adressiert an die Ärztin in der anderen Stadt. Hatte er etwa wieder versagt? Bei den medizinischen Termini irgendwie dumm geguckt? Hatte er das sich mühsam anbahnende Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Heiler aufs Spiel gesetzt?
Beklommen trat er hinaus in den grauen Nachmittag. Einen Termin hielt er in der Hand wie einen Gewinn. Den Brief hatte er in der anderen. Er würde ihn noch heute abgeben . Und er war froh, dass die lange Fahrt so doch noch einen Sinn gehabt hatte. Und glücklich, den Praxisinhaber wenigstens nicht in allem entäuschen zu müssen. Denn der hatte schließlich das Porto gespart.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Beinahe hätte ich behauptet, dass es KIEFERCHIRURGIE heißen muss und KIEFERNCHIRURGIE nur was für abartige Förster ist. Jetzt bin ich mir aber unsicher. Der Duden gibt mir recht, bei google findet man aber unter beiden Wörtern ausschließlich Zahnklempner und keine Förster. Was denn nun?

Anonym hat gesagt…

IMMER dem DUDEN glauben (obwohl das seit der Rechtschreibreform auch schwieriger ist)! Bei Google muss man wohl davon ausgehen, dass die abartigen Förster zuhauf auch als Zahnspezialisten praktizieren. Vielleicht auf 400-€-Basis. Heutzutage ja alles kein Ding mehr.
Im übrigen sei angemerkt, dass man auch als Privatpatient nicht behandelt wird, wenn man die Bildchen nicht mit hat. Nur, dass man sie eben selbst mitbringen muss. Und man bekommt auch für diese vergebliche Anreise ne Rechnung PRÄSENTIERT. Da hat es Kollege Kassenpatient etwas einfacher.