Es gilt wohl als ein Merkmal des Deutschen, dass er seinen Müll trennt. Alle zwei Wochen holt man in der Stadt, in der ich wohne, die Gelben Säcke ab. Innerhalb von vierzehn Tagen kommte ganz schön was zusammen. Tetrapacks, Weißblechdosen, Flaschen mit "ohne Pfand". Wohin aber mit der schon nach sieben Tagen vollen Tüte? Wir habe kein Eigenheim und nicht einmal einen Keller. So wurde es zur Gewohnheit, die im gelben Plastik gesammelten "Wertstoffe" (im Sozialismus hießen die "Sekundärrohstoffe") in der Nähe des örtlichen Flaschencontainers zu lagern. Nicht erlaubt! Ich weiß! Die Abfallfibel, die alljährlich im Briefkasten steckt, betont es. Doch alle taten´s und das senkte das Level meines schlechten Gewissens auf ein erträgliches Maß. Zu meiner Verteidigung muss ich auch anführen, dass ich solcherart Vergehen sofort einstellte, als vor ein paar Wochen ein Schild das "Plastikmüllabstellen" am konkreten Ort verbot. Und das mit Nachdruck. Die Begründung sah ich heute Vormittag mit eigenen Augen. Während die Autos ihrem Berufsverkehr nachgingen, ein Angestellter des städtischen Gartenbauamtes in unmittelbarer Nähe Herbstblumen pflanzte und ich meinen Wegen nachschlenderte, saß in aller Gemütlichkeit, sich am Restinhalt von Verpackungsmüll labend, dabei etwas knabbernd, das sie in ihren Vorderpfötchen hielt, so auf die Hinterbeinchen gestützt, dass es fast menschlich wirkte, und damit ihre beachtliche Körperlänge betonend, gar nicht versteckt, weil das Straßengeschehen mit regen Äuglein ständig beobachtend und eigentlich überhaupt nicht ekelerregend, denn das Fell erschien fast seidig glänzend, eine RATTE!
Erkenntnis des Tages: Der Endverbraucher mit sozialem Bewusstsein steht vor einem Dilemma. Entweder er wäscht seine Joghurtbecher so mit Fit oder Pril aus, dass dies keine wirkliche Alternative zur Bewahrung des ökologischen Gleichgewichts darstellt. Oder er kloppt alles in eine Tonne. Und vermeidet so die nächste Pest in Europa.
2 Kommentare:
denn es gilt zurecht nicht nur
"das fernsehen ist tot!", nein,
auch: "der grüne punkt ist tot!"
und kennst du überhaupt die geschichte, als ich im jahr der nobelpreisverleihung in der kleinstädtischen buchhandlung die grasshafte "rättin" bestellen wollte und einfach nicht verstanden wurde? daß man das buch nicht kennt - na gut. aber daß man sich nicht vorstellen kann, daß es zur ratte auch eine aberzigmillionen nachkommen werfende RÄTTIN geben muß - das gruselt mich jetzt noch!
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