Es gibt Themen, über die man schreiben muss, obwohl sie schon so unaktuelle sind, dass sie nicht mehr zu beschreiben sind.
Als ich noch klein war, gab es am Samstagnachmittag immer den "Professor Flimmrich" im DDR-Fernsehen. Vielleicht lockte dieser auch am Sonntag die Kleinen von der Straße weg, ich weiß es nicht mehr ganz genau. Auf alle Fälle saßen wir vor den Geräten und - ich ging damals noch nicht zur Schule und glaubte, dass dieser lustige Mann im Fernsehen wohne - er moderierte entweder ein russisches Märchen an, "Lolek und Bolek" aus Polen oder einen Kinderfilm aus der Tschechoslowakei. Natürlich war wir uns dem Agitations- und Proaganda-Charakter dererlei Kindersendungen überhaupt nicht bewusst. Schließlich kackten wir als Dreijährige ohne Diskretionsabstand in den Kitas der Neubausiedlungen auch auf Befehl. Ich liebte den Professor. Fährt man 30 Jahre später zu seinen Eltern, lebt die Tradition des Samstagnachmittag-in-die-Glotze-Sehens wieder auf. Das Gefühl des behüteten Kindseins zwischen Mittagessen und Kaffetisch. Der vernebelte Endoktobertag draußen vor dem Fenster! Der weiche Sessel und die leichte Schläfrigkeit. Professor Flimmrich gibt es schon lange nicht mehr. Sattdessen Gerichtsshows auf Sat 1. Ich weiß, die laufen schon ewig! Doch erst heute habe ich meine ersten beiden vollständig gesehen. Eine Erfahrung von tiefer Intensität. Grottige Dialoge (die Vorstellung, dass solcherart Kommunikation als Vorbild für zuguckende Schüler dient, ist eine Pein), "Darsteller", die weder diese als auch die Bezeichnung "Laien" verdienen und vor allem quäckende, hysterisch ihre Indifferenzlage überschrei(t)ende Angeklagtinnen bereiteten mir echte körperliche Schmerzen.
Höre, Barbara Salesch! Begreife Richter Hold - ihr habt heute das zarte Gespinnst ferner Kindheitserinnerungen zerstört. Ihr seid schlimmer als "Musikantenstadl" und "Fit for fun" zusammen. Ihr werdet niemals im Fernsehen wohnen!
2 Kommentare:
Mich deucht, das Ding heißt Interferenzlage. Ansonsten mag ich Salesch und Co. nicht schlechter machen als Silbereisen und Konsorten. Das ist alles durch die Bank weg zum Abgewöhnen! Und für die Gerichtsshows muss ich zumindest keine Gebühren zahlen.
Im übrigen bin ich heute Vormittag bei Nebel und Nasskälte aus Potsdam weggefahren und in Nordwestbrandenburg schien dann die Sonne. Und auch in HH. Von wegen HHer Wetter.
nee, brandenburger wetter, nämlich. hauptsache, du fühlst dich nicht ausgebrandenburgt.
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