Freitag, 19. Oktober 2007

Epilog, erster Teil

Seoul-Dubai-Hamburg-Döbeln - Und nun wieder zu Hause.
Dabei erscheint es gar nicht so schwer von 40 Grad Hitze auf 9 Grad herunterklimatisiert zu werden. Wirklich bedenklich erscheint es eher, dass es viel leichter ist, in der koreanischen Hauptstadt ohne Sprachkenntnisse mit der Metro zu fahren als am Hamburger Flughafen das für die entsprechende Tarifzone geltende Busticket zu erwerben. Hat "Lonley Planet" etwa auch mein Leben verändert? Zunächst sei mir ein aspektorientierter Rückblick auf die letzten 14 Tage gestattet.
1. Die Menschen
Dass Koreaner größere Asiaten sind als erwartet, hatte ich schon erwähnt. Eine wesentlich prägendere Erkenntnis aber ist, dass die Gesellschaft eine junge ist. Dieser Eindruck mag daran liegen, dass die Menschen altersmäßig schwer einzuschätzen sind. Viele wirken jünger. Sicher liegt das nicht am demonstrativen Gebrauch des Mobiltelefons in jeder erdenklichen Lebenslage. Auch Omas spielen Spiele in der U-Bahn. Das Tragen sehr kurzer Röcke und entsprechende Kniestrümpfe bzw. Overknees (?) begünstigen den Eindruck von Jugendlichkeit sicher weiterhin. Doch als wir im Bus durch Hamburg fuhren, merkten wir 40jährigen, dass wir den Altersdurchschnitt in diesem öffentlichen Verkehrsmittel drastisch senkten, während wir in der Metro von Seoul sicher zur älteren Generation gehörten.
Die Koreaner sind freundlich und hilfsbereit, auch wenn sie einem nicht helfen können. Besonders eingeprägt hat sich mir der Umgang miteinander. Höflichkeit und Achtung. Die Verbeugung der Kellnerin erscheint nicht als Relikt einer längst vergangenen Zeit oder Geste einer inhumanen Demut oder gar Unterwürfigkeit, sondern als Ausdruck der Wertschätzung. So ist es mir jedenfalls vorgekommen. Und es fällt umgekehrt unheimlich leicht, dem Gegenüber den Kopf zu neigen. Da kann man als Mitteleuropäer durchaus einmal beide Augen (und die Ohren) zudrücken, wenn statt in ein Taschentuch der Nasenschleim auf die Straße gerotzt wird. Das ist Seoul.
Ganz anders in Dubai. Ein Kulturschock. Nicht nur aus dem Grund, dass neben verschleierten Frauen und ihren betuchten Männern auch übergewichtige Amerikaner und verhärmte Europäerinnen das Straßenbild mit prägten, sondern dass beim Reisenden sofort das Gefühl des Ausgeliefertseins hochkommt. Mag sein, dass manch einer seine (Urlaubs)Freude an der südländischen Welt darüber definiert, mit Händlern zu feilschen, was das Zeug hält. Ich bin kein Freund dieser Art der Kommunikation und habe es genossen über den Dubaier Fischmarkt zu schlendern, weil es der einzige Basar der Stadt gewesen ist, wo man nicht irgendeine Ware aufgedrängelt bekommt. Was wollen drei Rucksackträger auch mit einem Frischfisch auf die Hand bei gefühlten 50 Grad im Schatten?
2. Die Stadt
In Seoul verbeißen sich Neues und Altes. Hochhäuser, Wohnblocks, Tempel und Pagoden. Dass Letztere meist mit einem Hakenkreuz gekennzeichnet sind, schreckt das deutsche Auge zusätzlich ab. Seoul ist laut. Seoul ist nicht sauber, was die Luft betrifft. Seoul versinkt alltäglich im Verkehrschaos. Einen Unfall haben wir alle Tage aber nicht gesehen. Seoul hat 13 Millionen Einwohner. In Seoul hat jedes Gewerbe einen eigenen Straßenzug. Seoul ist hochtechnisiert. In Seoul verlaufen die Stromkabel in einem oberirdischen Gewirr chaotischer Dimension. Seoul ist nicht wirklich schön. Seoul gefällt mir viel besser als Dubai. Diese Stadt ist pervers. Gigantismus in Höhe und Breite. Das ist Kapitalismus. Luxusstreben. Charme besitzen lediglich die "Altstadt" und die Uferpromenade.
3. Das Essen
"Kimchi gewinnt ... weltweit immer stärker an Verbreitung und Beliebtheit." Dieser Satz - zitiert aus unserem Reiseführer - wurde zu einem Spruch des Urlaubs. Kimchi ist "fermentiertes" (mal nachgucken, was das heißt!) Gemüse, meist Kohl, was furchbar schmeckt und noch abstoßender riecht und trotzdem zu jeder Mahlzeit gereicht wird. Bei allem Wohlwollen der Reiseliteratur und unserer kulinarischen Aufgeschlossenheit, wir konnten das Zeug nicht essen. Ansonsten gab es viel zu probieren und zu schmecken. Algen, Reis, Oktopusbeine, Bambusspitzen, Salat, Fisch, Fleisch - das Beste bei allem ist, dass man gemeinsam isst. Meist besitzt der Tisch einen eingebauten Grill, man hockt oder sitzt und taucht seinen Happen in gemeinsame Schüsseln. Das Essen dauert, bei uns noch viel länger, der Stäbchen halber, man redet, man feiert. Geschmeckt hat uns auch der Soju, ein leichter Schnaps (20%), den man für wenige Groschen kaufen kann.
4. Wir...
haben uns gut vertragen. ...haben über Altes gelacht (wir kennen uns bald 20 Jahre, die Hälfte unseres Lebens) und Neues geprägt. ...Und unsere Marotten ausgelebt.
Die Sprüche der Reise waren:
"Hamsanida!" - Keiner weiß, was Frank damit sagen will. Der Spruch passte aber in verschiedene Lebenssituationen.
"Das ist eine Videosequenz wert!" - Der Fotograf opfert unwiederbringlichen Eindrücken wertvollen Speicherkartenplatz .
"84 - 12" - Das muss man nicht verstehen.
Liebe Freunde, danke, dass ihr mit mir wart!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Meine Nachbarin Astrid hat heute die am 15.10.07 in Suwon abgestempelte Ansichtskarte von mir erhalten. Noch Fragen Hauser?

Anonym hat gesagt…

Hakenkreuze an Pagoden in Korea, und in Kasachstan: Landesautokennzeichen und Landeskürzel von Internetseiten - "KZ". Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn ich das sehe - aber können Koreaner und Kasachen etwas für unsere Geschichte? Nein.