Die Zukunft ist ´ne abgeschoss´ne Kugel, auf der mein Name steht und die mich treffen muss. Und meine Sache ist, wie ich sie fange: mit dem Kopf, mit´m Arsch, mit der Hand oder mit der Wange? Trifft sie mich wie ein Torpedo? Oder trifft sie wie ein Kuss?
Am Freitagabend saß ich mit denen beisammen, die vor 25 Jahren neben mir die Schulbank drückten. Es war das "Nachsitzen" einer kleinen Runde derer, die zufällig Zeit hatten an diesem Abend, ein halbes Jahr nach dem offiziellen Klassentreffen der POS (Polytechnische Oberschule) im März. Damals erkannte ich weder alle Gesichter, noch konnte ich mich an alle Namen erinnert. Peinlich. Verständlich! Am Freitag ging das besser. Am Freitag sprachen wir viel. Das geht im kleinen Kreis besser. Wir erinnerten uns: An Englischunterricht nachmittags um 16 Uhr, denn da lief "English for You" im Fernsehen. An Freaks unserer Klasse, mit denen wir wenig Mitleid hatten. An "W-A-S-I-N-G-T-O-N". Eine Mitschülerin sprach während der Politinformation den Namen der amerikanischen Hauptstadt so deutsch aus, dass sie ihren Spitznamen wegbekam. An heimlich gerauchte Zigaretten. "Du hast nie geraucht!" "Ne, aber ich musste mittwochs immer alte "Juwel" kaufen." (Ich war größer und brauchte keinen Ausweis zeigen.) An Tage im Freibad, schon im Mai. An das Riesenposter von Ornella Muti, vor dem wir Jungs im Kino wie gebannt standen. An Mopedfahrten zur Eisdiele und Treffen auf dem Fahrübungsplatz. An unsere Vorstellungen vom Leben, die wir meist voreinander verheimlichten. Denn Aufsatzthemen und Kunstprojekte hatten damals unsere Fantasie zu systemkonform strapaziert. Wie werden wir im Jahre 2000 sein? Das war 1982 die Zukunft.
Wir sind unsere Wege gegangen. Unterschiedliche. Verheiratet. Firmeninhaber. Im Westen. Kleine Kinder. Geschieden. Arbeit im Schichtsystem. In Zwickau geblieben. Neu verheiratet. Fast erwachsene Kinder. Es ist beruhigend, dass aus den meisten etwas geworden ist, wie man so schön zu sagen pflegt. Und eigenartig, dass man sich einmal so ganz nah gewesen ist.
1 Kommentar:
Ungehörtes Gespräch Deiner Klassenkameraden, nachdem Du gegangen warst: "Mensch, der Kai sieht aber gut aus. Mindestens acht, zehn Jahre jünger als er in Wahrheit ist. Und hat alles nochmal vor sich, der Herzensbrecher. Beneidenswert."
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