Viele Dinge berühren einen erst, wenn man von ihnen unmittelbar betroffen wird. Das beste Beispiel ist das Wetter. Zitternd verfolgt man den Wolkenlauf und die Vorhersage für die Küste, wenn man im Sommer vor seinem Zelt hockt. Oder den Straßenzustandsbericht, wenn man im Dezember zur Arbeit muss oder sein Flugzeug erreichen will. Verspätungen im Zugverkehr tangieren einen nur, wenn man selbst pünktlich in die Bahn einsteigen will, die zwei Mal im Jahr, die ich als Autofahrer die Öffentlichen benutze. Es sei denn, die Sache nimmt solche Dimensionen an, dass auch derjenige, der aktuell-politisch nicht immer ganz uptodate ist, sich diesen nicht verweigern kann. Mein Freund Frank beginnt Gespräche auf dieser Ebene mit mir immer mit einem belehrenden "Du weißt ja sicherlich, dass... ." O.k. Freunde, ich habe mich informiert über den Streik der Lokführer. Und zwar in einer der Regionalzeitungen dieser Stadt. Ich weiß jetzt: Im Osten ist es schlimmer. Eine japanische Touristin staunte gestern in Leipzig auf ihrem Koffer sitzend: "Wir alle haben das Recht, für etwas zu streiken, woran wir glauben." Und Durs Grünbein hat ein Gedicht geschrieben. Von dem ich nicht hoffe, dass es den Wartenden als kultureller Beitrag gereicht wird, um ihnen die Zeit zu verkürzen.
Trost für Bahnreisende
Nicht klagen sollt ihr, wird die
Wartezeit euch lang.
Vergesst den Anschluss, Leute, denkt in größern Zügen.
In höhern Bahnen, schrankenlos, denkt: Börsengang.
Sagt nicht: Mir würde
Fahrplantreue schon genügen."
3 Kommentare:
Wird es mit Sicherheit nicht. Das Gedicht. Den Wartenden momentan gereicht. Denn: D.G. übt ja Kritik am Börsengang der DBAG und den dazu nicht passenden (oder gerade eben doch passenden) Mängeln bei der Erfüllung der historischen Mission der Bahn - Personenbeförderung. Wie Du ja weißt, ist im Moment die kleine GdL schuld an der Misere. Und der erstarrte Herr Mehdorn.
Wie du ja weißt, Kai, wird der Tarifstreit heute Abend ganz mediendemokratisch bei "Anne Will" ausgetragen. Ob ich das gucke, weiß ich aber noch nicht, denn vorher bin ich in Kleinröhrsdorfs Kirche. Gast des (auf ausdrückliche Einladung des Pfarrers auch für Nichtgetaufte offenen) Abendgottesdienstes ist Henry Nitzsche zum Thema "Wie deutsch dürfen Christen sein?"...
... auf diese Frage benutze ich doch mal meine Lieblingskonjunktion ein bißchen falsch: weder noch!
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