... klang es früher aus den Radios meiner 80er-Jahre-Jugend. Heute, zur Kino-Matinee, konnte ich diesen Wunsch nicht mehr so ganz nachvollziehen.
Mit Johanna saß ich in Reihe sieben und guckte "Der goldene Kompass". Nun mag man über solche Blockbuster denken wie man will, doch in der Vorweihnachtszeit lasse ich mich ganz gerne in fantastische Welten entführen. Außerdem liebe ich es, in Lichtspieltheatern zu sein, in denen niemand neben, vor und hinter mir sitzt und das kann man eigentlich nur am Sonntagvormittag haben.
Der Film lockt mit einem Staraufgebot und ist genremäßig irgendwo zwischen "Herr der Ringe", "Die Schneekönigin" und "Narnia" zu verorten. Ein wahrer Augenschmaus ist der Art Déco-Stil dieser Parallelwelt. Über ein fernes London um die Jahrhundertwende ziehen von geheimen Energiequellen angetriebene Zeppeline, deren Jugendstil-Ausstattung ich mir ins Wohnzimmer stellen würde. Ansonsten- naja - kämpfen gute Hexen (Eva Green) an der Seite von exotischen Outlaws, die an Sinti und Roma erinnern, gegen eine faschistoid anmutende Regierung (Magistratum). Deren Ziel ist nicht nur die Weltherrschaft, sondern die Kontrolle über alle Universen (Ist das der korrekte Plural?). Dazwischen tummeln sich ein englische Lord mit Format (Daniel Craig ist hier mehr James Bond in alter Manier als in seinem "James Bond"), ein gepanzerter Eisbär namens Iorek (Knut-Faktor vier!), ein kleines tapferes Mädchen (Lyra) und lauter putzige Tierchen, die als Daemon die Seele verkörpernd, ständige Begleiter der Menschen sind. Ganz nebenbei - und hier müsste man die Entstehungszeit der Romantrilogie untersuchen - wird in diesem Paralleluniversum eine durchaus eindimensionale Sicht auf die Welt verdeutlicht. Während von seinem Luftschiff ein an Buffalo Bill erinnernder Texaner die Bösen vom Eis schießt, sehen die Fieslinge aus wie Tataren und kommunizieren in einer Sprache, die doch allzusehr dem Russischen gleicht.
In den Kampfszenen metzeln sich die Fantasiefiguren nieder. Stirbt einer, verglüht sein Daemon neben ihm. Das spart blutige Einzelheiten und macht das Mitzählen für den Betrachter leichter. An einer Stelle kamen mir dann aber doch Zweifel, ob der jugendfreie Film für die zwei Grundschülerinnen, die zusammen mit ihrer Mutter in der letzten Reihe ihr Popcorn kauten, angemessen sei. Im Duell des guten Eisbären Iorek gegen seinen zu Unrecht König gewordenen Kontrahenten ohne Knut-Faktor gerät unser Panzerbär in arge Bedrängnis. An der Pfote schwer verletzt, liegt er auf dem Eis, während sein Erzfeind sich auf die Hinterbeine stellt, sein riesiges Maul aufreißt und zum finalen Endschlag ausholt. Im letzten Augenblick tatzt Iorek diesem aber mit einem gewaltigen Prankenhieb den gesamten Unterkiefer weg. Da schliefen nicht nur den zuguckenden Eisbären auf der Leinwand die Gesichtszüge ein, sondern wahrscheinlich auch den beiden Mädels in der letzten Reihe.
3 Kommentare:
Der "Золотой компаз" ist an meinem Astana-Blockbuster-Kino angeschlagen. Global können wir den selben Film sehen, mein Liebes. Da komme ich doch lieber schnell nach Hause.
"Finaler Endschlag"?
Na das heißt, dass der den anderen Bären gleich tothaun tut!
Kommentar veröffentlichen