Donnerstag, 17. Januar 2008

Ich bin im Fernseh´n aufgetreten ...ich bin ein Star, denn die neh´m ja nicht jeden

Immer wieder wundere ich mich darüber, wozu Leute bereit sind, um ins Fernsehen zu kommen. Gestern Abend war sogar Deutschlands gestrengeste Gouvernante am Ende ihres pädagogischen Lateins, als die Familie ihre Konflikte wie eine schlechte Laiengruppe vorspielte. Die Super-Nanny hat natürlich sofort durchschaut, dass der 7jährige Kevin weder die Lust noch die motorische Fähigkeit besaß, sich eine Zigarette in der elterlichen Küche anzuzünden und sein jüngerer Bruder die Mutter nur mit Unwillen an den Haaren zog. Die große Schwester hatte alles „organisiert“, um Super-Katja nebst Fernsehteam in die prekäre Familie zu holen.
Manchmal wird man einfacher zum „Fernsehstar“. Als unsere Referendare heute ins Lehrerzimmer kamen, freuten sie mich an. „Herr Schnabel, wir haben Sie gestern auf Video gesehen!“ Aha. Obzwar die Erinnerungen an die eigene Ausbildung am Staatlichen Seminar mit den Jahren verblassen, scheint man dort nicht in Vergessenheit geraten zu sein. Es ging damals um Fragetechniken. Ich gab mein Einverständnis zu einem Videomitschnitt, der dann analysiert werden sollte. In der Ausbildung kann man schlecht Nein sagen. Und meine Ausbilderin mochte ich. Und eigentlich galt das Band der Eigenreflexion.
Ich erinnere mich zum Teil mit Schrecken: Zu viele Entscheidungsfragen. Auch Suggestivfragen waren dabei. Hatte ich nicht auch mit Lob gespart und die Lernenden eingeschränkt? Die Referendare fragte ich heute lieber nicht nach den „Analyse-Ergebnissen“ und war ein bisschen wütend wegen der "Vorführung". Denn es gibt nicht einmal Tantiemen. Doch dann sagte ich mir, dass ich dem Pädagogik-Ausbilder, nennen wir ihn - dem Datenschutz halber - nach dem sächsischen Kurfürst einfach Herr Dr. August, nütze gewesen bin. Und das ist doch gut.
Und weil auch ich ihn kenne, hilft mir das, die ganze Sache – nun sagen wir mal – aus einer gewissen Distanz zu betrachten.
Oder, lieber Andreas, du verstehst mich, einem geregelten Abstand.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich verstehe :-)
Aber: Ich hätte gefragt, was denn das Analyseergebnis war.
Okay, ich bin aber auch ein Star und schon raus...
(Zwischen Eike Immel und Michaela Schaffrath knistert es laut MOPO wie verrückt.)
heute kam bei kulturzeit auf 3sat laut videotext ein Beitrag über zu viel Privates im Netz und die möglichen Folgen. Haste gesehen? Ich leider nicht. Hätte mich mal interessiert.