Eigentlich wollte ich heute im Blog nur zitieren. Zitieren aus dem "Zeit-Magazin", in dem heute Kolumnisten unterschiedlichen Geschlechts und Alters zu dieser Menschheitsfrage (siehe oben)Antwort geben. Bei einem Pfannenkuchen, den ich nur mit schlechtem Gewissen genießen konnte, denn in selbiger Publikation stand ein Artikel über die Erfolge des Fastens, habe ich lange nicht so über gedrucktes Wort gelacht.
Wenn Harald Martenstein feststellt, dass trotz guter Vorsätze, ein anderer Mensch zu werden, sein in ihm wohnendes "Wichtelmännchen" ihn zwingt "um 22.15 Uhr die Küche feucht zu wischen, obwohl fast alle anderen Küchen", die er kenne, "dringender gewischt werden müssten", dann kommt mir das arg bekannt vor. Er werde das nicht los, er "tarnt sich" mit hippilangen Haaren und ausgebeulten Hosen, "wobei die Knitterfalten immer genau den gleichen Abstand voneinander haben".
Roger Boyes bemäkelt seinen "wunden Punkt" am Hinterkopf in Gestalt eines "rosafarbenen Hautstreifens, nicht größer als der Handballen eines Babys". Zwar habe er sich von Mussolini den Trick abgeschaut, seine Freunde immer so zu wählen, dass diese kleiner seien als er, dennoch entschließe er sich dafür, künftig eine Kopfbedeckung zu tragen. Problematisch sei, so der britische Auslandskorrespondent, dass Skeptiker den Filzhut als Ausdruck von Affektiertheit missverstünden. Und dass der angemessene Hutkauf in Berlin schwierig sei, denn die "Hutmachertradition der Stadt war jüdischen Ursprungs".
Auch Jan Weiler sieht die Problematik "Typveränderung" aus der Perspektive des in die Jahre kommenden Mannes. Wobei er feststellt, dass sich das Äterwerden weniger in seinem Gesicht manifestiere, sondern weiter unten. Lapidar stellt er fest: "Ich sacke. Gewissermaßen. Vermutlich schrumpfe ich auch (...) Um nicht eines Tages als pyknischer Gnom verspottet zu werden, sollte ich vermutlich abnehmen und Sport treiben."
Dieser Erkenntnis folgt jedoch sofort ein Fazit, mit dem er den Wellness- und Diätwahn unserer Zeit mehr als fraglich erscheinen lässt. Was wäre denn, würden wir ein Alter wie Methusalem erreichen? "Sobald man hundert ist, wird man in dieser Gesellschaft von Brettspielen ausgeschlossen. Auf den meisten Verpackungen von Gesellschaftsspielen befindet sich ein Symbol, welches einen Erwachsenen und ein Kind beim Spielen zeigt. Darunter steht meist 6-99 oder 9-99. Man stelle sich nur vor, wie grausam das Leben von Johannes Heesters ist, wenn er mal Lust auf eine Partie Malefiz bekommt."
Eigentlich wollte ich nur zitieren. Doch dann klingelte das Telefon. Am Apparat war einer dieser jungen Menschen, die einen am Nachmittag allzu gerne befragen. Weil sie von großen Konzernen beauftragt wurden und das Geld brauchen. Diesmal ging es um Musik- und Radiohörgewohnheiten. Während mein fernmündlicher Gesprächspartner seinen auswendig gelernten Text aufsagte, sann ich nach einer möglichst schlagfertigen Entgegnung, um ihn und alle nachmittäglichen Störenfriede abzuwimmeln. Ein Präzedenzfall, der sich in den Call-Centern herumsprechen würde, sollte es werden. Schon holte ich verbal aus, als seine finale Frage aus der Hörmuschel drang: " ... leben in Ihrem Haushalt Personen zwischen 16 und 34 Jahren?" - - - "Nein", konnte ich nur entgegnen. Sprach- und fassungslos fiel ich in den Sessel und legte auf. Seit fast sechs Jahren ist mein Musikgeschmack für die Marktforschungsinstitute der Welt nicht mehr relevant. Wie lange würde es nun noch dauern, bis ich zu meinen Rheuma-Strumpf-Favoriten und "Granu-Fink"-Erfahrungen herangezogen werde?
Vielleicht kaufe ich mir morgen auch einen Hut.
3 Kommentare:
Ich kann mir nichts besseres vorstellen, als mit meinem Musikgeschmack für Marktforschung uninteressant zu sein! Dafür würde ich sogar Granufink nehmen.
Mein Liebes, denke an Deine geistige Jugendlichkeit, Dein unvierziges Äußeres, an den Umfang Deiner Plattensammlung, an Deine Radiogewohnheiten und an Deine 24jährige Freundin: Du bist einfach nicht repräsentativ.
@ Maria: Aber auch noch nicht 40!
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