Gerade komme ich aus dem fernen Vogtland und habe viel über Geschichte gelernt. Totalitarismusdebatte, Vergleichbarkeit von Diktaturen, Positionieren dazu.
Pünktlich schaffe ich den Fernsehzweiteiler. "Die Gustloff". Bewegende deutsche Momente funktionieren wahrscheinlich auch im Öffentlich-Rechtlichen nur in zwei Teilen. Diesmal ist Heino Ferch aber nicht dabei. Dafür führte Joseph Vilsmaier Regie. Er hat nun somit auch das Spektrum der darstellenswerten deutschen Geschichte abgegrast. "Herbstmilch", "Stalingrad", "Comedien Harmonists", "Rama Dama". Seine Dana Vavrova sitzt wieder mit im Boot. Auch im wortwörtlichen Sinne.
Gestern sah ich den ersten Teil der "aufwendigen Verfilmung". Was einen erwartet, ist die Tragödie in Farbe zu erleben. Dass ich mir diese Zeit nur in schwarz-weiß denken kann, ist ein Phänomen, das mein Bild von Geschichte schon immer geprägt hat. Somit gerät der Film für mich als Rezipient von vorn herein in Gefahr, die historischer Exaktheit zu "verlieren". Vilsmaier gleicht dieses "Defizit" aber aus, indem er statt der Bilder die Figuren und Konflikte schön in schwarz-weiß zeichnet. Der gute Kapitän Kehding (Kai Wiesinger). Dieser Blick! Der böse Kapitän Petri (Karl Markovics). Immer den deutschen Schäferhund an der Stiefelkante! Und alles ist wieder im Lot.
Die Fernsehzeitung meines Vertrauens bescheinigt dem Regisseur übrigens "akribische Recherche". Trotzdem lasse "Drehbuchautor Rainer Berg seine Fantasie spielen". Ich bin gespannt, was dabei rauskommt. Meine Hoffnung, dass der KdF-Dampfer dem sowjetischen U-Boot im Film entwischt, bleibt wohl ebenso illusorisch wie zynisch. Aber als mündiger Zuschauer habe ich es ja in der Hand. Einfach wegschalten. Und noch einmal den Grass lesen! Ich werde trotzdem einschalten.
"Wie ech das jesehn hab, ist mir janz mulmich jeworden." Das lässt dieser übrigens seine Tulla Pokriefke auf Seite 114 sagen. Ich gebe zu, in einem anderen Zusammenhang.
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