Samstag, 26. April 2008

Altersweisheit

Werde ich etwa alt?
Als ich heute mit dem Rad von Klosterbuch nach Hause fuhr und meine Musik, die ich jugendlich locker via Kopfhörer die ganze Zeit in meine Ohren geleitet hatte, zu Ende gespielt war, und ich plötzlich nur noch Natur hörte, ein Summen um die Bäume in voller Blüte, ein Rauschen, sanft, durch den Wald und das Hämmern eines Spechtes und sonst nichts, nichts, nichts, da hat mich das einfach ergriffen.
Vorher hatte ich am Muldeufer gelegen und in "Magermilch und lange Strümpfe" gelesen. Nicht unbedingt schreiend komisch, noch literarisch von hohem Anspruch, doch kommt Bernd-Lutz Lange aus Zwickau. Er verbrachte seine Kindheit dort und einige seine Erinnerungen sind auch mir ein Begriff. Dieser Wiedererkennungseffekt bestürzte mich aber zunehmend, denn der Kabarettist ist Jahrgang 1944!! Beim Spielwaren-Stimming war nämlich auch ich immer stehen geblieben. Bei Körner & Lippert in der Bahnhofstraße gab es auch zu meiner Zeit die langen Gummi-Schlangen. Und über die Einrichtung hatte ich als Kind nicht weniger gestaunt. Auch sage ich- zur Freude der Liebsten - bis heute zu unserem Flur "Vorsaal", so wie Lange es von seinen Eltern kennt. Aber das ist sicher eher regionalsprachlich zu erklären und weniger eine Generationsfrage! Nun gut, auch lange Strümpfe mit Zwickel ("... eine Schande für jeden Jungen." B.-L. Lange) musste ich 1972 schon nicht mehr tragen. Doch blaue Strumpfhosen in Kombination mit bunter Kindergartenschürze ist auch nicht viel besser gewesen.
Übrigens: In die Tasche vorn auf der Schürze hat meine Kindergartenfreundin Britta immer das durchgekaute Fleisch verschwinden lassen, das sie nicht mochte.
Heißt heutzutage eigentlich noch ein Kind Britta?
Noch so ein Indiz!

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Britta nicht, aber Edda und Marte hei(Buchstabe fehlt auf der Tastatur, denkt euch ein "sz")en sie hier. Gruesse aus Norwegen - wie verschaffe ich dir eine norwegische Flagge auf der Startseite?

Anonym hat gesagt…

Manche Dinge ändern sich eben nie. Und außerdem heißen die Kinder heute auch wieder Friedrich, Wilhelm und Ferdinand. Das Alte hat schließlich oft auch seine guten Seiten. Marmalade kochen die Menschen, bzw. die Mütter, nun auch schon so lange. Und immernoch steht sie auf vielen Frühstückstischen in Deutschland selbstgekocht.

steffi hat gesagt…

Tja, Kai, du wirst nicht älter, sondern wirklich weiser !
Obwohl ich großer Musikfan bin, muss ich mal kritisch anmerken, dass man schon früher zu der Erkenntnis kommen müsste, dass man in landschaftlicher Idylle lieber die Naturtöne in sich aufsaugen sollte, statt sich per Ohrhörern vollzuwummern...
(*klugsch...modus aus*:-)
Zu B.L.Lange: Dieser sagte kürzlich im Kulturradio, dass er auch in der Gutenberg-Buchhandlung in Zwickau gearbeitet hat und eines Tages eine Frau in den Laden gekommen ist, die fragte, ob sie denn mal den Geschäftsführer, den Herrn Gutenberg sprechen könne... Wirklich passiert !