Wenn das Wetter schön ist, fahre ich gerne auf dem Elbradweg zwischen Meißen und Dresden. Der Fluss zieht dahin. Die Strecke bleibt eben. Die Stadt erscheint fantastisch.
Wenn das Wetter schön ist, empfinden das alle Radsportfreunde Sachsens auch so. Dazu gesellen sich noch radelnde Touristen aus Nah und Fern. Dann geht es auf dem schmalen Asphalt zu wie um den L` Arc de Triomphe. Oder wie in Hanoi, um dem Verkehrsmittel gerecht zu bleiben. Wenn man unter diesen Umständen so unterwegs ist, beginnt man die Radler zu klassifizieren. Da gibt es jene gemächlich dahinzuckelnden Langsamtreter. Meist sind das Sportfreunde älteren Semesters. Sie erkennt man auch daran, dass Mann und Frau das gleiche Rad lenken. Ein Doppelpack von Tschibo. Sie machen die wenigsten Probleme. Es sei denn, der vorausfahrenden Gattin fällt urplötzlich ein, dass sie den Wasservogel knipsen muss, der rechts in der Elbe schwimmt. Das bedeutet für den Nachfahrenden, ständige Bremsbereitschaft zu gewähren. Weitaus unangenehmer sind die jenseits der Dreißig, die mit befreundeten Familien unterwegs sind. Sie fallen durch permanentes Nebeneinanderfahren auf, das nicht einmal durch die Aufnahme des Blickkontaktes durch den Entgegenkommer aufgehoben wird. Man hat sich viel zu erzählen. Besonders brenzlig wird die Lage, wenn derartig riskante Begegnungen noch durch die ehrgeizigen Sportskanonen verschärft werden, die glauben, ihren eigenen Elbuferrekord unbedingt am Sonntagmittag brechen zu müssen. Sie lassen sich wiederum in zwei Kategorien unterteilen. Da gibt es jene, die auf schmalen Reifen und mit der Sonne im Rücken herangeflogen kommen, so dass man sie erst im allerletzten Moment wahrnehmen kann, um auszuweichen. Sie sehen aus wie gedopte Friedensfahrer und sind zur Grenzüberschreitung in Richtung Leistungssport allzeit bereit. Die andere Gruppe kommt im nicht minder hochwertigen Habitus daher. Nur kündigt sie meist das tiefe Summen breiter Stollen auf sonnenerwärmtem Asphalt an. Ihre Velozipede sind hochgezüchtet, spezialgefedert und sehen so aus, als könne man den Lilienstein seitwärts runterfahren. Also genau das Richtige für den Großraum Dresden.
Als würde das nicht reichen, sind am sonnigen Sonntag natürlich noch Spaziergänger unterwegs. Und Frauen, die zu Weihnachten Inlineskater geschenkt bekommen haben. Viel zu weit sind die Bewegungen, die sie jeweils von links nach rechts des Weges katapultieren. Da hilft es auch wenig, wenn sie mit den Armen helicoptermäßig dem Schwung der Beine entgegenarbeiten. Alles braucht sehr viel Platz.
Insgesamt wundert es mich, dass alles so friedlich abläuft auf dem Radweg nach Dresden und zurück. Vielleicht liegt es am Sonntag und dem Frühling. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass alle glauben, andauernd angelächelt zu werden. Fährt man nämlich der Sonne entgegen oder strengt sich beim Treten ein wenig an, verzieht man das Gesicht unwillkürlich so, dass man die Zähne sieht. Das habe ich selbst schon an mir beobachtet.
Übrigens sind wir Menschen auch geneigt, solche Grimasse bei Schimpansen als freundliches Grinsen fehlzuinterpretieren.
1 Kommentar:
Als ob unsere Friedensfahrer gedopt gewesen wären...
Und anstatt Grimasse vor Anstrengung einfach mal nen niedrigeren Gang einlegen :-)
Andreas
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