Eigentlich wollten wir den Tag in Grimma verbringen. Und den Abend. Und die halbe Nacht. Eigentlich. Doch je näher der "Tag der Sachsen" rückt, desto deutlicher auch die Bilder von vielen schwitzenden Menschen vor Showbühnen, Miettoiletten und Fressbuden. Am Frühstückstisch gilt es, diese Vorstellungen gegen die der "No Angels" und "Monrose" zu behaupten. Bis zweiundzwanzig Uhr dreißig warten? Vorher "Sydney Youngblood" und "Culture Beat" ertragen. Wenn man sich schon nicht mal mehr genau erinnern kann, wann die eigentlich ihr Ein-Hit-Wunder hatten? Nun gut, es gäbe noch die MDR1-Bühne mit "Dschingis Khan" und "Olaf Berger". Oder den "Energy Music Dome". Der böte ab 18 Uhr den "Energy-Party Warm Up", dann den "DJ-Contest Musikrichtung House", gefolgt von der "Energy-Night mit den Energy-Brothers". Und wenn wir dann den "Energy Music Dome mit Special Guest Freddy und Off Air Spielen" erlebten, than would be fast Sunday, äh Sonntag. Die Heranwachsende zeigt Vernunft.
Wir beschließen, nicht nach Grimma zu fahren, sondern ein Experiment zu wagen. Wer feiert eigentlich in Dresden, wenn die Sachsen in Grimma Party machen? Das Ergebnis bestätigt unsere Vermutungen: Es findet quasi eine demografische Ost-West-Verschiebung statt. Oder semi-geografisch ausgedrückt: Die böhmische Kontinentalplatte driftet nach links oben. Tschechisches Sprachgewirr in der Altmarktgalerie. Davor stellt sich Franzensbad per Bierzelt, Blasmusik und kulinarischen Köstlichkeiten vor.
Ein paar deutsche Touristen besuchen auch den Herbstmarkt hinterm Karstadtgebäude. Und "Silly" geben Autogramme im "Saturn".
Es geht entspannter zu, in der Landeshauptstadt. Vermuten wir. Und als uns die Füße weh tun, fahren wir zufrieden nach Hause. Und dass die Sachsen, die sich nicht in Grimma amüsieren, weniger Sinn für subtilen Humor haben, kann man auch nicht gerade behaupten.
1 Kommentar:
Und wir besuchten den Tag der Sachsen in Grimma und stellten fest, dass die Parkplatzgebühren zu hoch waren und die Shuttlebusse zu wenig fuhren, allerdings generell weniger los war als in Döbeln, es trotzdem ganz lustig wurde, Jürgen Drews falsch angezogen war, Mark Medlock mit Eiern bewurfen wurde, und bei steigendem Regn das Aggressionspotenzial der Menschen höher wurde. So feiern Sachsen.
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