Donnerstag, 18. Dezember 2008

Rauchzeichen überm Himmel der analogen Steinzeit

In der Hoffnung, dass diese Zeilen doch noch einen Leser erreichen, der es noch nicht aufgegeben hat, diese Seite nach einem neuen Eintrag abzusuchen, schicke ich diese flaschenpostgleich dahin. Wir sind nun Großstädter. Seit dem 31.Oktober wohnen wir in Leipzig. So richtig mit Frühstück am Morgen und zufriedenen Gesichtern. Schlüsselübergabe, Wohnung streichen, Kisten einräumen, Möbelwagen erwarten, Möbelträgern nicht im Weg stehen, Kisten ausräumen, alte Wohnung streichen und übergeben, all das war noch vorher. Das Internet bekommen wir im nächsten Jahr, ab 5. Januar. Derzeit vegetieren wir kommunikativ auf unserer analogen Insel im kommunikativen Neolithikum – wenigstens haben wir seit zwei Wochen einen Festnetz-Telefonanschluss. Die Umstände dieser Regression – ich liebe dieses Wort, seit ich es in einer Klausur immer wieder lesen musste, in der es mit infantiler Beharrlichkeit anstatt der Textsortenbezeichnung „Rezension“ verwendet wurde – sollen nicht tiefer erörtert werden. Nur soviel: Geneigte Leser, lasst euch nicht ein mit 1&1! Der Rest ist Schweigen.

Der Weg zur alten Arbeitsstätte bedeutete für mich bis jetzt ca. 30x2 Fahrten mit dem Rad zum Hauptbahnhof, nach 40 Minuten vom Bahnhof zur Schule und am Nachmittag zurück, dabei ca. zweimal bei vollem Schneewetter, ca. sechsmal bei Regen. Das heißt weiterhin einmal Platten früh (der Trend geht Gottseidank zum Zweitrad), den Verlust einer Jeanshose (Sturz beim zu rasanten Abbiegen zum Bahnhof in OZ-Town) und das tägliche Gefühl, etwas für den Körper getan zu haben, zunehmende Abgebrühtheit, was rote Ampeln betrifft. Die Zugfahrten sind entspannend. Ich treffe: die Frauen, die im PC arbeiten und täglich schon in Engelsdorf aussteigen. Den Ingenieur, der sein Faltrad akribisch einklappt und dann beim Studium einer Computerzeitschrift regelmäßig einschläft (fährt immer weiter, bestimmt nach Dresden). Mittwochs die drei Männer, die zum Arbeitsamt radeln [Der mit der Bierflasche: „Heute vor einem Jahr, 8.35 Uhr, bin ich entlassen worden.“ Ich (denke): „Armer Kerl. Hat sich sogar die Zeit gemerkt.“ Mann mit Flasche: „Genau 8. 40 Uhr stand ich in der Schleuse…“ Ich (denke): „Ach so", (und hoffe): „Lass ihn mir keinen Schluck anbieten!“]. Nachmittags verschiedenartigste Lehrlinge beiderlei Geschlechts, die in Wurzen zusteigen. Ich lese: Zeitung, Uwe Tellkamp „Der Turm“, Enzensberger „Hammerstein“, Matthias Friske „Geschichte des Mosaik von Hannes Hegen“. Und wenn es hell ist, schaue ich manchmal in die weite mitteldeutsche Landschaft… Und freue mich auf Zuhause …Und den baldigen Zugang zur digitalen Welt.

Allen da draußen ein schönes Weihnachtsfest.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Nur den Herrn Hartwiger sehen Sie nicht!? Vll. würde sich ja eine Tandemfahrt anbieten. :)
Ihnen ein besinnliches Fest und einen guten Rutsch.