Samstag, 10. Januar 2009

Ein eiskalter Hauch von Geschichte

In einer der Jahresrückblickssendungen wurde gefragt, ob man über Hitler Witze machen dürfe. Mit Verweis auf Harald Schmidt, Switch reloaded und Bruno Ganz wurde das bejaht. Keiner fragt sich dagegen, wer was auf den Trödelmärkten der großen Städte verkauft. Auf dem Messegelände zum Nachtflohmarkt beschlich mich jedenfalls an manchem Stand ein bisschen ein komisches Gefühl. Da lagen Buttons in schwarz-weiß-rot und Fraktur-88 neben Smily- und Shrek-Anstecker. Dort bot einer mit Uniformkäppi der Gebirgstruppe zwar nicht den Österreicher selbst in Bronze (oder Gips) feil, wohl aber einen seiner Generäle. Dafür konnte man neben "Germanische Heldensagen" und "Wörterbuch für den Frontsoldaten (deutsch-russisch)" auch "Mein Kampf" antiquarisch erstehen (280,-€ !!?). Nur gut, dass die Verkäufer militärischer Devotionalien mit streichholzschachtelgroßen Schnipseln auf ihren Kisten mit Orden, Münzen und Divisionsbändern hinweisen, dass "Der Käufer verpflichtet ist, die erworbenen Gegenstände zu keinem anderen Zweck als den des Sammelns zu erwerben. [§ weißnichtmehr des StGB]". Zwei junge Männer beäugten skeptisch mit der Lupe, nein, nicht das Zettelchen, sondern eine Urkunde zum Ritterkreuz mit (original?) Foühror-Onterschrift. Wahre Sammelleidenschaft.
Vielleicht sollte man das alles nicht überbewerten. Schließlich konnte man dort auch Buratinos kaufen, alte DEFA-Plakate und die Planierraupe, die ich als Kind auch besaß. Und schließlich beruft man sich selbst in der Lieblingsdrogerie DM wieder auf ein traditionell bewährtes Gemeinschaftsgefühl. Und das sollte man wohl auch dürfen, wenn es um die Gesundheit des Volkskörpers am Herzen liegt.


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