In Verkehrung der sonstigen Verhältnisse sitze ich in der Aula einer großen Schule und höre mit vielen anderen Eltern gespannt den Ausführungen der Pädagogen zu, die Powerpoint gerüstet und Overhead-Projektor unterstützt i h r Profil vorstellen. Eines davon gilt es nämlich bis Ende der nächsten Woche zu wählen. Besser, klug zu wählen.
Im Interesse des Kindes. ("Nur nicht einfach nur das, was die beste Freundin auch macht.")
Langfristig. ("Ein Umwählen ist nicht möglich. ... Die Note erscheint auf dem Abiturzeugnis.")
Vorwärts orientiert. ("Bedenken Sie die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.")
In einem Anflug rühriger Sentimentalität denke ich daran zurück, dass wir doch vor kurzem erst zu entscheiden hatten, ob Schafwoll-Windel oder Pampers-Schnellverschluss. Damals siegte mitternächtliche Bequemlichkeit über die ökologischen Bedenken. (Ich hoffe, dass meine Tochter diesenText nicht zu lesen bekommt, wegen "...0h, ist das peinlich.")
Ich beobachte einen dicken Brummer, der zwischen Aula-Decke und Bühnen-Scheinwerfern hin- und hertänzelt und meine Gedanken ablenkt. Die späte Wespe (oder frühe Hummel) flügelt in den Lichtkegel des Beamers und wirft ihren bedrohlichen Schatten zwischen die Zeilen des ersten Lernbereichs "GeWi" (gesellschaftswissenschaftliches Profil), Thema: Geld und Geltung.
Eine absurde Vorstellung ergreift mich. Wie würde wohl die Referentin mit der Situation umgehen, wenn das für die Jahreszeit ungewöhnliche Insekt sie während ihres Vortrages umschwirrte. Vielleicht wäre ein souveränes Herunterspielen der Situation oder ein hysterisches Fuchteln ausschlaggebender Indikator dafür, dieses Profil zu favorisieren oder es eben zu lassen. Sonst weiß ich nämlich nicht, wie zu entscheiden ist. Vielleicht wird mich meine Tochter dafür hassen, wenn sie eines Tages als Unternehmensberaterin in Wladiwostok zwar medial geschult und moralisch fit, aber verständnislos auf die kyrillischen Buchstaben am Werkstor schaut. Oder als Tierpflegerin den sibirischen Tiger zwar akzentfrei beim Namen rufen kann, aber nicht weiß, welche Energieprozesse im Inneren der kostengünstigen Solarheizung seines Käfigs ablaufen.
Morgen werde ich sie anrufen. Was sie darüber denke, werde ich fragen. Wozu sie Lust habe. Und ich werde fragen: Was macht eigentlich deine Freundin Ruth?
Im Interesse des Kindes. ("Nur nicht einfach nur das, was die beste Freundin auch macht.")
Langfristig. ("Ein Umwählen ist nicht möglich. ... Die Note erscheint auf dem Abiturzeugnis.")
Vorwärts orientiert. ("Bedenken Sie die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.")
In einem Anflug rühriger Sentimentalität denke ich daran zurück, dass wir doch vor kurzem erst zu entscheiden hatten, ob Schafwoll-Windel oder Pampers-Schnellverschluss. Damals siegte mitternächtliche Bequemlichkeit über die ökologischen Bedenken. (Ich hoffe, dass meine Tochter diesenText nicht zu lesen bekommt, wegen "...0h, ist das peinlich.")
Ich beobachte einen dicken Brummer, der zwischen Aula-Decke und Bühnen-Scheinwerfern hin- und hertänzelt und meine Gedanken ablenkt. Die späte Wespe (oder frühe Hummel) flügelt in den Lichtkegel des Beamers und wirft ihren bedrohlichen Schatten zwischen die Zeilen des ersten Lernbereichs "GeWi" (gesellschaftswissenschaftliches Profil), Thema: Geld und Geltung.
Eine absurde Vorstellung ergreift mich. Wie würde wohl die Referentin mit der Situation umgehen, wenn das für die Jahreszeit ungewöhnliche Insekt sie während ihres Vortrages umschwirrte. Vielleicht wäre ein souveränes Herunterspielen der Situation oder ein hysterisches Fuchteln ausschlaggebender Indikator dafür, dieses Profil zu favorisieren oder es eben zu lassen. Sonst weiß ich nämlich nicht, wie zu entscheiden ist. Vielleicht wird mich meine Tochter dafür hassen, wenn sie eines Tages als Unternehmensberaterin in Wladiwostok zwar medial geschult und moralisch fit, aber verständnislos auf die kyrillischen Buchstaben am Werkstor schaut. Oder als Tierpflegerin den sibirischen Tiger zwar akzentfrei beim Namen rufen kann, aber nicht weiß, welche Energieprozesse im Inneren der kostengünstigen Solarheizung seines Käfigs ablaufen.
Morgen werde ich sie anrufen. Was sie darüber denke, werde ich fragen. Wozu sie Lust habe. Und ich werde fragen: Was macht eigentlich deine Freundin Ruth?
1 Kommentar:
"Nichts ist so erlaaaabend, wie der Elternaaaaaaaaabend..."
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