Dem türkischen Sultan Harun-Al-Raschid wird nachgesagt, dass er zuweilen, um die Befindlichkeiten im eigenen Reich zu erfahren, in Bettlerkleidung unters Volk zu mischen sich anschickte. Nun muss unsere Kanzlerin nicht gleich ihren schnittigen Kostümen entsagen, um mitzubekommen, was der Bürger so denkt. Sie müsste einfach nur im Regionalexpress fahren. Sagen wir mal von L. nach O. Dort kann man nämlich dem Volke auf´s Maul schauen.
So versuchen wir hier wiederzugeben, was in den ratternden Waggons so besprochen wird an deutschen Vormittagen.
Eine durchschnittlich freundliche Zugbegleiterin, nennen wir sie der Einfachheit halber Christa R., kam ins Gespräch mit dem dienstags zwischen Heimatort und Arbeitsagentur pendelnden Rolf M. und der - wahrscheinlich den Markttag in O. nutzen wollenden - Elfriede P., augenscheinlich zwangsweise Hausfrau.
Der durch die Heftigkeit der Diskussion aufgeschreckte, bis dahin gedankenlos die triste Schönheit mitteldeutscher Landschaft durchs Abteilfenster verfolgende Reisende schaltete sich an der Stelle in die Kommunikation der drei ein, als Christa R., die Schaffnerin, über das Höchst-Alter von Lokführern zu referieren begann. Mit 67 könne keiner mehr einen Zug verantwortungsbewusst lenken. Obzwar der unfreiwillige Zeuge des Gesprächs sich ab und zu schon über die eigenen Möglichkeiten, besser Un-Möglichkeiten, Gedanken gemacht hatte, wie es den sei, in 27 Jahren Jahren die Klassenfahrt ins Abenteuer-Camp zu planen, musste er der einer anderen Berufsrichtung zugehörigen Bahnangestellten unbedingt Recht geben.
Elfriede P., aus dem Arbeitsleben ebenfalls schon ausgeschieden, forderte energisch, dass "die Junschen ranmüssen, anstatt daheme sich zu langweilen." "Die woll´n doch nisch!", entgegnete daraufhin Rolf M., den sein Morgenbier zu allerlei tiefgründigen Gedankengängen anzufeuern schien. "Die fassen Geld ab und machen nischt." Seine These stützte er damit, dass die "Jungsch´n" sich nicht alle Wochen auf dem Arbeitsamt melden müssten so wie er, sondern nur einmal im Jahr. Christa R. kündigte berechtigte Zweifel an der Haltbarkeit dieses "Autoritätsarguments an, wurde aber von den weiteren Ausführungen Rolf M.s, die von Elfriede P. nonverbal durch heftiges Nicken bekräftigt wurden, eines besseren belehrt.
Rolf M.: " Die geh´n bis zur Achten auf ´ne Realschule, oder so ´ne and´re Shul´, und und dann dun die Frauen Kinner griesch´n. Mit 15 oder 16! Und die griesch´n dann Geld und Ziehgeld, oder wie das heest. Und dann das näschste." Es folgte der Einwurf von Elfriede P.: "Un immer von nem annern Mann. Und was das dann für welsche sinn". Weiter Rolf M.: "... Und dann woll´n die alle schwarze Kinder jetzt. So ne´Obama-Kinder!"
Nach diesem durchaus Ironie-freien Brückenschlag von den regionalen Widernissen des Lebens zur großen Weltpolitik musste der unfreiwillige Zuhörer das Gespräch leider verlassen. Der Lautsprecher kündigte an, dass er da sei. Angekommen. An der letzten Station im Mitteldeutschen Verkehrsverbund.
So versuchen wir hier wiederzugeben, was in den ratternden Waggons so besprochen wird an deutschen Vormittagen.
Eine durchschnittlich freundliche Zugbegleiterin, nennen wir sie der Einfachheit halber Christa R., kam ins Gespräch mit dem dienstags zwischen Heimatort und Arbeitsagentur pendelnden Rolf M. und der - wahrscheinlich den Markttag in O. nutzen wollenden - Elfriede P., augenscheinlich zwangsweise Hausfrau.
Der durch die Heftigkeit der Diskussion aufgeschreckte, bis dahin gedankenlos die triste Schönheit mitteldeutscher Landschaft durchs Abteilfenster verfolgende Reisende schaltete sich an der Stelle in die Kommunikation der drei ein, als Christa R., die Schaffnerin, über das Höchst-Alter von Lokführern zu referieren begann. Mit 67 könne keiner mehr einen Zug verantwortungsbewusst lenken. Obzwar der unfreiwillige Zeuge des Gesprächs sich ab und zu schon über die eigenen Möglichkeiten, besser Un-Möglichkeiten, Gedanken gemacht hatte, wie es den sei, in 27 Jahren Jahren die Klassenfahrt ins Abenteuer-Camp zu planen, musste er der einer anderen Berufsrichtung zugehörigen Bahnangestellten unbedingt Recht geben.
Elfriede P., aus dem Arbeitsleben ebenfalls schon ausgeschieden, forderte energisch, dass "die Junschen ranmüssen, anstatt daheme sich zu langweilen." "Die woll´n doch nisch!", entgegnete daraufhin Rolf M., den sein Morgenbier zu allerlei tiefgründigen Gedankengängen anzufeuern schien. "Die fassen Geld ab und machen nischt." Seine These stützte er damit, dass die "Jungsch´n" sich nicht alle Wochen auf dem Arbeitsamt melden müssten so wie er, sondern nur einmal im Jahr. Christa R. kündigte berechtigte Zweifel an der Haltbarkeit dieses "Autoritätsarguments an, wurde aber von den weiteren Ausführungen Rolf M.s, die von Elfriede P. nonverbal durch heftiges Nicken bekräftigt wurden, eines besseren belehrt.
Rolf M.: " Die geh´n bis zur Achten auf ´ne Realschule, oder so ´ne and´re Shul´, und und dann dun die Frauen Kinner griesch´n. Mit 15 oder 16! Und die griesch´n dann Geld und Ziehgeld, oder wie das heest. Und dann das näschste." Es folgte der Einwurf von Elfriede P.: "Un immer von nem annern Mann. Und was das dann für welsche sinn". Weiter Rolf M.: "... Und dann woll´n die alle schwarze Kinder jetzt. So ne´Obama-Kinder!"
Nach diesem durchaus Ironie-freien Brückenschlag von den regionalen Widernissen des Lebens zur großen Weltpolitik musste der unfreiwillige Zuhörer das Gespräch leider verlassen. Der Lautsprecher kündigte an, dass er da sei. Angekommen. An der letzten Station im Mitteldeutschen Verkehrsverbund.
1 Kommentar:
Wenn einer eine Reise tut ... nur eine Frage bleibt - welche schnittigen Köstume bitte?
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