Montag, 30. März 2009

"Schmiedet Feilen zu Messer!" oder Pawel Kortschagin* hätte das Handtuch geworfen

Heute Abend bin ich nicht sehr zufrieden aus der Waldorfschule zurückgekehrt. Von den beiden über Stunden geschmiedelten filigranen Spitzenden meiner noch nicht ganz eindeutig definierten Gesellenarbeit ist heute innerhalb weniger Sekunden eine abgebrannt. Das sieht zwar recht spektakulär aus, so ein bisschen wie Wunderkerzen in der Silvesternacht, doch der Stahl ist danach einfach weg. Er löst sich in Sternchen auf, sozusagen.
Die Folge ist, dass ich das andere Ende auch kürzen musste, das abgebrannte daraufhin anzugleichen hatte und vom anderen wiederum ein Stück abgeknappst habe, wegen des beim Anfänger wohl noch nicht so ausgeprägten Augenmaßes. Kurzum, aus den einst angedachten schmiedeeisernen Füßen mit kühnem Schwunge sind jetzt zwei mickrige Kringel geworden, die den Kerzenständer wohl eher gerade so halten werden als ihm ehernen Stand für die Ewigkeit zu verleihen. Ich fühle mich als der Kurs-Looser.
Neben mir dreschen die Akademiker wie die Berserker den gesammelten Bürofrust einer ganzen Chefetage auf den Amboss. Oder sind schon dabei, ihr zweites Stück zu fertigen. Mein Feuerstellen-Kollege hat sich vorgenommen, aus einer alten Feile ein Messer zu machen. Das finde ich zwar politisch nicht ganz korrekt. Und für den Werkraum einer Waldorfschule überhaupt nicht passend, doch ein Messer, das will ich auch!

* Held in Ostrowskis "Wie der Stahl gehärtet wurde"

1 Kommentar:

steffi hat gesagt…

Ich kann mich noch sehr gut an die verordnete Lektüre vom „Stahl“ erinnern.
Im Gegensatz zu anderen fand ich Pawel cool und habe ihn bewundert.
Seine Lebensphilosophie sollten sich heutzutage die Menschlein verinnerlichen, damit es vorwärts geht !
Der Stern an Kortschagin wäre bei mir also nicht notwendig gewesen, da ich schon zum alten Eisen gehöre :-(
Apropos Eisen:
Pawel hätte NICHT das Handtuch geworfen und du wirst auch weiter schön an deinem Kerzenständer arbeiten !
Ob ein Kunstwerk gut ist, hat ja bekanntlich nichts damit zu tun, wie es aussieht :-)
Also: Lieber einen mit mickrigen Beinen als so`n protziges Ding...
Außerdem: Hau doch das nächste Mal den gesammelten Schulfrust auf den Amboss :-)