Es gibt noch keinen Roman mit dem Titel "Die Einsamkeit des Korrekturlesers". Ich habe extra gegoogelt, am Schreibtisch sitzend. Verdrängend und vermeidend. Allein mit 18 Prüfungsarbeiten.
Wie willkommen ist mir die Liebste am Abend, wenn sie mich daran erinnert, dass wir ein Konzert besuchen: Musizierstunde der Erwachsenen.
Um es vorweg zu nehmen, mir hat es sehr gut gefallen. Wirklich. Natürlich war ein Niedlichkeitsfaktor wie beim halbjährlichen Vorspiel der Kinder in der Musikschule DL nicht zu erhoffen. Doch seit dort allzu ehrgeizige Muttis ihre Viejährigen zum Dreieinhalb-Hände-Spiel nötigten, ist es auch nicht mehr dasselbe. Gestern wartete die Veranstaltung dafür auf mit allerlei Skurrilem, viel Ungewöhnlichem und manchmal auch Beängstigendem. Statt Geige und Cello kamen Mandoline und Cembalo zu Gehör. Ein "Ave Maria" wurde auf der chromatischen Mundharmonika geblasen, die seit Michael Hirte wohl salonfähig geworden ist und im Übrigen nicht nur so heißt, weil sie schön metallen glänzt. Ein schlaksiger Bass in Turnschuhen und Hip-Hopp-Hose sang Mozart. Ein Tenor afrikanischer Herkunft interpretierte den "Erlkönig" vom Erfolgsduo Goethe/Schubert.
Insgesamt wurde sehr viel gesungen. Und mir steht es als Laie natürlich nicht zu, die Bezeichnung Musizierstunde dahingehend als abwegig zu beurteilen.
Der faszinierendste Auftritt folgte, als es draußen zu dunkeln begann. Gott sei Dank, kein Vollmond! Eine auf der Bühne frei stehende Sängerin intonierte ihr Lied mit solcher Kraftanstrengung, dass mir der Begriff "ernste Musik" vergegenständlicht erschien. Ich hatte das Gefühl, einem Verwandlungsprozess beizuwohnen. Jedes Mal, wenn sie ansetzte, schienen ihre Augen aus den Höhlen zu dringen. Die Hände streckten sich nach vorn und die abgespreizten Finger machten ein wenig Angst. Zum Glück verhinderten das Ende einer jeden Strophe, ein Atemholen und das Zwischenspiel vom Klavier die vollständige Metamorphose.
Wie willkommen ist mir die Liebste am Abend, wenn sie mich daran erinnert, dass wir ein Konzert besuchen: Musizierstunde der Erwachsenen.
Um es vorweg zu nehmen, mir hat es sehr gut gefallen. Wirklich. Natürlich war ein Niedlichkeitsfaktor wie beim halbjährlichen Vorspiel der Kinder in der Musikschule DL nicht zu erhoffen. Doch seit dort allzu ehrgeizige Muttis ihre Viejährigen zum Dreieinhalb-Hände-Spiel nötigten, ist es auch nicht mehr dasselbe. Gestern wartete die Veranstaltung dafür auf mit allerlei Skurrilem, viel Ungewöhnlichem und manchmal auch Beängstigendem. Statt Geige und Cello kamen Mandoline und Cembalo zu Gehör. Ein "Ave Maria" wurde auf der chromatischen Mundharmonika geblasen, die seit Michael Hirte wohl salonfähig geworden ist und im Übrigen nicht nur so heißt, weil sie schön metallen glänzt. Ein schlaksiger Bass in Turnschuhen und Hip-Hopp-Hose sang Mozart. Ein Tenor afrikanischer Herkunft interpretierte den "Erlkönig" vom Erfolgsduo Goethe/Schubert.
Insgesamt wurde sehr viel gesungen. Und mir steht es als Laie natürlich nicht zu, die Bezeichnung Musizierstunde dahingehend als abwegig zu beurteilen.
Der faszinierendste Auftritt folgte, als es draußen zu dunkeln begann. Gott sei Dank, kein Vollmond! Eine auf der Bühne frei stehende Sängerin intonierte ihr Lied mit solcher Kraftanstrengung, dass mir der Begriff "ernste Musik" vergegenständlicht erschien. Ich hatte das Gefühl, einem Verwandlungsprozess beizuwohnen. Jedes Mal, wenn sie ansetzte, schienen ihre Augen aus den Höhlen zu dringen. Die Hände streckten sich nach vorn und die abgespreizten Finger machten ein wenig Angst. Zum Glück verhinderten das Ende einer jeden Strophe, ein Atemholen und das Zwischenspiel vom Klavier die vollständige Metamorphose.
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