Mittwoch, 13. Mai 2009

For Those About the Rock

Ehrlich gesagt, war ich noch nie ein AC/DC-Fan. Ja, ich fand es früher recht albern, wenn die Jungs mit offenem Bademantel und Kippe im Mund ihre Runden ums Schwimmbad gingen und lässig den Sonett-Recorder im Arm hielten, aus dem es erbärmlich leiernd, dafür aber laut "Touch to Much" plärrte. Das war den verbrauchten Batterien geschuldet oder der zig-fach-wiederholten Von-Band-zu-Band-Aufnahme. Und das war es ja auch nicht, was störte. Die Schaurunden lief auch ich und ein offener Bademantel im Hochsommer war einfach nur cool. Oder "fetzig", wie wir damals sagten.
Ich mochte diese Musik einfach nicht. Ich fand es abtörnend, wenn die Mädchen wie Angus Joung die Lippen stülpten. Ich fand es eklig, wenn die Jungs sich erzählten, dass Bon Scott am eignen Erbrochenen erstickt sei. (Sie drückten das damals anders aus.) Wenn bei den Schuldiskos "Highway to Hell" gefordert wurde, ging ich definitiv nicht auf die Tanzfläche. (Was sich im Nachhinein als sehr ungünstig erwies, weil manchesmal nach einer Luftgitarrennummer auch F.R David mit "Words" lief. Und vom Headbangen sofort in die Kuschelstellung umpositioniert werden konnte.)
Meine Abneigung gegenüber der klaren AC/DC- Mehrheit und einer sich aber nur unscharf abgrenzenden Deep-Purple-Fraktion in meiner Klasse war auch kein extra zur Schau gestellter Individualitäts-Trip. Nebenbei bemerkt, wurde ich deshalb nicht zum Außenseiter. Das konnte nur passieren, wenn man kein Moped hatte. Und die beginnende "Neue Deutsche Welle" schuf durchaus musikalische Brücken zwischen den Fronten.
Ich hörte halt lieber am Samstagabend "Aus meiner Rocktasche" auf Bayern 3. Oder schnitt die Oldies der 60er Jahre auf Kassette mit, von einer Sendung, die "Meat the Beat" hieß und die ich - nicht ganz frei von Kreativität, so finde ich im Nachhinein - als "Mietze-Biet" (Man vergleiche dazu die häufig leitmotivisch vorkommende "Katze" in den Songs dieser Jahre.) missverstand.
So hatte ich auch kein abfotografiertes BRAVO-Poster (einschließlich deutlich erkennbarem Knick und Heftlöchern) von rockenden Langhaarigen in Schuluniform im deutschen demokratischen Personalausweis. Und ritzte auch nicht "Hells Bells" neben jedes "Gleichstrom/Wechselstrom-Symbol" auf die Physikbank.
Heute habe ich meinen Frieden mit den Hardrockern aus Australien gemacht. Im Vorspann zu "CSI Miami" finde ich sie sogar richtig fetzig. Die Musik kommt mir viel weicher vor, viel zu wenig schräg, wenn ich manchmal in eine CD reinhöre. Eine ganze Scheibe schaffe ich aber immer noch nicht.
Heute wird auf der Seite der Leipziger Verkehrsbetriebe auf Sonderstraßenbahnen verwiesen, die ins ausverkaufte Central-Stadion verkehren. Männer, jenseits der 40 und 50 Jahre, schlendern gemütlich aus dem Bahnhof. Sie tragen ihre Bademäntel sicher immer noch, zu Hause und auch aus anderen Gründen. Bei manchem wölbt sich das schwarze T-Shirt mit dem feurigen "Gleichstrom/Wechselstrom-Schriftzug" über dem Nabel nicht unbeträchtlich. Ich verspüre einen Anflug, das so albern wie damals zu empfinden. Doch stellt sich diese Gefühl nicht so richtig ein. Sollte ich etwa verstehen?

1 Kommentar:

steffi hat gesagt…

Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das,
was sie lächerlich finden.
Johann Wolfgang von Goethe
:-)