Im Superwahl-Jahr sind natürlich super Wahlplakate zu sehen. Auf diesem heutzutage schon als konservativ zu bezeichnenden Medium muss der pfiffige Abgeordneten-Anwärter schon zu besonderen Mitteln greifen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ich meine damit nicht diese "Finanzhaie-würden-CDU-wählen"-Aufsteller. Die haben sich unter der Lupe der Werbepsychologen als eher kontraproduktiv für die SPD erwiesen. Und auch die provokative "Wir haben mehr zu bieten"-Kampagne scheint nicht alle in der CDU zu amüsieren. Nein, es muss einfacher gehen. So erschien jüngst in Döbeln ein Plakat, das scheinbar verkehrt herum hing. Doch während das verwirrte Auge des Betrachters über den Unsinn grübelte, wurde der Verstand des potentiellen Wählers mit dem Slogan "Für Sie stehe ich Kopf" eines Besseren belehrt. Entweder findet man es originell oder fühlt sich verarscht. Apropos: Im gleichen Ort prangten auf den Pappen der extremen Rechten dunkelbraune Flecken. Sehr aussagekräftig. Und von den Aufstellern wahrscheinlich weniger gewollt.
Als ich heute durch meine Straße radelte, fiel mir ein Schild aber besonders auf. Es zeigt einen jungen Mann, der mit gespielt aufmerksamkeitsheischender Miene einen Wecker präsentiert. Das ganze wirkt nicht unironisch und soll mit der Aufforderung "Weck´den Sachsen in Dir" sympathisch für ein Voting zu Gunsten der Freien Wähler animieren. Dennoch muss ich einiges kritisch anmerken. Da wäre zum einen der Text: Und da stört mich die Orthografie noch gar nicht. Zwar spricht die Großschreibung des Anredepronomens nicht gerade für Innovation, doch erscheint die Beibehaltung der alten Rechtschreibung als durchaus akzeptabel. Mehr Probleme habe ich mit dem "Sachsen in mir." Wenn ich davon ausgehe, dass der Spruch nur metaphorisch gemeint ist (und alles andere möchte ich mir gar nicht erst vorstellen), frage ich mich: Wo sitzt dieser? Gibt es da unter Umständen noch mehr? Was tut er, wenn er gerade nicht schläft? Schlurft er dann Mr. Hyde-mäßig die Brühlschen Terrassen entlang und wirft bucklige Schatten an die Fassade des Albertinums? Das macht mir schon ein bisschen Angst, zumal die Medizin einen Namen für solche Erscheinungen weiß.
Und dann das Bild. Geschminkte Lippen bei Männern, die augenscheinlich damit nicht ihre Zugehörigkeit zu einer Musikrichtung, einer Subkultur oder ihre sexuelle Neigung ausdrücken, sind mir schon immer suspekt gewesen. Auch wenn sie lächeln. Gegen alles andere habe ich übrigens nichts.
Und warum stehen die Zeiger ausgerechnet auf zehn nach sieben? Hier befanden sich die Experten wohl im Dilemma. Ein weitaus plakativeres "Fünf vor Zwölf" scheint mit der Funktion des Weckers nicht konform gehen zu wollen. Das banale "Kurz-nach-sieben" spielt wiederum die Probleme der aktuellen Krise arg herunter. Zumal andere Bundesländer wahrscheinlich noch eher aufstehen. Zumindest während der Woche über.
Problematisch kommt mir auch vor, dass das subtile Gerät durch festen Griff der fleischigen Hand fast zerdrückt wird. Der unsensible Umgang mit der Uhr wird durch die Bewegungs-Striche in Comicmanier auf alle Fälle noch unterstrichen. Vielleicht hätte ich das alles schon mal eher sagen sollen. Vielleicht vor ein paar Wochen. Als wir uns nach 23 Jahren wieder einmal getroffen haben.
Der Spitzenkandidat der Freien Wähler Sachsen war nämlich früher mein Klassenkamerad.
Als ich heute durch meine Straße radelte, fiel mir ein Schild aber besonders auf. Es zeigt einen jungen Mann, der mit gespielt aufmerksamkeitsheischender Miene einen Wecker präsentiert. Das ganze wirkt nicht unironisch und soll mit der Aufforderung "Weck´den Sachsen in Dir" sympathisch für ein Voting zu Gunsten der Freien Wähler animieren. Dennoch muss ich einiges kritisch anmerken. Da wäre zum einen der Text: Und da stört mich die Orthografie noch gar nicht. Zwar spricht die Großschreibung des Anredepronomens nicht gerade für Innovation, doch erscheint die Beibehaltung der alten Rechtschreibung als durchaus akzeptabel. Mehr Probleme habe ich mit dem "Sachsen in mir." Wenn ich davon ausgehe, dass der Spruch nur metaphorisch gemeint ist (und alles andere möchte ich mir gar nicht erst vorstellen), frage ich mich: Wo sitzt dieser? Gibt es da unter Umständen noch mehr? Was tut er, wenn er gerade nicht schläft? Schlurft er dann Mr. Hyde-mäßig die Brühlschen Terrassen entlang und wirft bucklige Schatten an die Fassade des Albertinums? Das macht mir schon ein bisschen Angst, zumal die Medizin einen Namen für solche Erscheinungen weiß.
Und dann das Bild. Geschminkte Lippen bei Männern, die augenscheinlich damit nicht ihre Zugehörigkeit zu einer Musikrichtung, einer Subkultur oder ihre sexuelle Neigung ausdrücken, sind mir schon immer suspekt gewesen. Auch wenn sie lächeln. Gegen alles andere habe ich übrigens nichts.
Und warum stehen die Zeiger ausgerechnet auf zehn nach sieben? Hier befanden sich die Experten wohl im Dilemma. Ein weitaus plakativeres "Fünf vor Zwölf" scheint mit der Funktion des Weckers nicht konform gehen zu wollen. Das banale "Kurz-nach-sieben" spielt wiederum die Probleme der aktuellen Krise arg herunter. Zumal andere Bundesländer wahrscheinlich noch eher aufstehen. Zumindest während der Woche über.
Problematisch kommt mir auch vor, dass das subtile Gerät durch festen Griff der fleischigen Hand fast zerdrückt wird. Der unsensible Umgang mit der Uhr wird durch die Bewegungs-Striche in Comicmanier auf alle Fälle noch unterstrichen. Vielleicht hätte ich das alles schon mal eher sagen sollen. Vielleicht vor ein paar Wochen. Als wir uns nach 23 Jahren wieder einmal getroffen haben.
Der Spitzenkandidat der Freien Wähler Sachsen war nämlich früher mein Klassenkamerad.
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