Irgendwo zwischen alten Seminarscheinen und dem längst abgelaufenen Studentenausweis muss es sich noch finden lassen: Mein Zertifikat zur Berechtigung des Betriebes des Filmvorführungsgerätes für Polytechnische Oberschulen, dessen genaue Bezeichnung mir entfallen ist. Ungebraucht ruht die Pappe da, denn nie wieder habe ich seit der Prüfung bei Dr. Warkus widerspenstiges volkseigenes Zelluloid zwischen die unzähligen Rädchen gefriemelt. Wahrscheinlich weil auch Mitte der 90er schon Video statt 8 mm geguckt wurde.
Man gehört eben einer Generation an, die mehrere Revolutionen auf dem Gebiet der Medien- und Informationstechnik erlebt hat. Schon als Jungen Pionieren wurden uns eines schönen Tages die schwarzen Tafeln von der Wand weggeschraubt und durch glatte grüne ersetzt. Die waren zum Klappen, behielten Magnete an sich kleben und konnten hoch- und runtergeschoben werden. Ins Klassenbuch wurde "aktenkundlich" die Belehrung festgehalten: Nie nass abwischen! Rostgefahr! Und vor allem nicht als "Fahrstuhl" missbrauchen! Dass man die "Federkästchen" ungeliebter Mitschüler prima dahinter verstecken konnte, wurde erst später offenbar und einschränkend verboten. Und damals hieß das auch noch nicht Mobbing.
Heute bekam ich nun die Einweisung samt Bedienungsberechtigung für unsere "interaktiven Tafeln". This is the future! Auch wenn der Begriff meines Erachtens problematisch ist, da jede Tafel irgendwie Interaktivität erfordert: "Theo, geh´mal vor und schreibe an!" Vielleicht wäre "digital" besser. Oder "Ohne-Kreide-Tafel"? Was der Sache an sich auch nicht ganz gerecht wird. Denn das Board (!) kann fast alles. Es verwandelt ungelenke Schreibschrift in Word-kompatible Schriftarten. Man kann Länderumrisse hin- und herschieben. Filme gucken. Musik hören. Parabeln krümmen. Digital würfeln. Und noch vieles mehr. Und da der Bildwerfer genau über dem Tafelverwender angebracht ist, mag es bestimmt noch eine geheime Schaltfläche geben, über die man sich in Grenzsituationen wegbeamen kann. So sieht es jedenfalls aus. Ich bin begeistert. Und starre ehrfurchtsvoll.
Die einzige Sache, die mein Hochgefühl ein wenig dämpft, ist die riesige Touchscreen. (Oder heißt es "der"?) Denn der Pädagoge, der voller Leidenschaft und "Minority-Report-mäßig" Textfelder und Informationsfenster mit lässiger Handbewegung verschiebt, ist sich kaum bewusst, wie viele vollgenieste Kinderhände am selbigen Tag hier schon Dreiecke ausgemalt haben.
Also liebe Hersteller: Ein Päckchen Sagrotan-Tücher sollte im Lieferumfang enthalten sein.
Man gehört eben einer Generation an, die mehrere Revolutionen auf dem Gebiet der Medien- und Informationstechnik erlebt hat. Schon als Jungen Pionieren wurden uns eines schönen Tages die schwarzen Tafeln von der Wand weggeschraubt und durch glatte grüne ersetzt. Die waren zum Klappen, behielten Magnete an sich kleben und konnten hoch- und runtergeschoben werden. Ins Klassenbuch wurde "aktenkundlich" die Belehrung festgehalten: Nie nass abwischen! Rostgefahr! Und vor allem nicht als "Fahrstuhl" missbrauchen! Dass man die "Federkästchen" ungeliebter Mitschüler prima dahinter verstecken konnte, wurde erst später offenbar und einschränkend verboten. Und damals hieß das auch noch nicht Mobbing.
Heute bekam ich nun die Einweisung samt Bedienungsberechtigung für unsere "interaktiven Tafeln". This is the future! Auch wenn der Begriff meines Erachtens problematisch ist, da jede Tafel irgendwie Interaktivität erfordert: "Theo, geh´mal vor und schreibe an!" Vielleicht wäre "digital" besser. Oder "Ohne-Kreide-Tafel"? Was der Sache an sich auch nicht ganz gerecht wird. Denn das Board (!) kann fast alles. Es verwandelt ungelenke Schreibschrift in Word-kompatible Schriftarten. Man kann Länderumrisse hin- und herschieben. Filme gucken. Musik hören. Parabeln krümmen. Digital würfeln. Und noch vieles mehr. Und da der Bildwerfer genau über dem Tafelverwender angebracht ist, mag es bestimmt noch eine geheime Schaltfläche geben, über die man sich in Grenzsituationen wegbeamen kann. So sieht es jedenfalls aus. Ich bin begeistert. Und starre ehrfurchtsvoll.
Die einzige Sache, die mein Hochgefühl ein wenig dämpft, ist die riesige Touchscreen. (Oder heißt es "der"?) Denn der Pädagoge, der voller Leidenschaft und "Minority-Report-mäßig" Textfelder und Informationsfenster mit lässiger Handbewegung verschiebt, ist sich kaum bewusst, wie viele vollgenieste Kinderhände am selbigen Tag hier schon Dreiecke ausgemalt haben.
Also liebe Hersteller: Ein Päckchen Sagrotan-Tücher sollte im Lieferumfang enthalten sein.
1 Kommentar:
Oh Gott, die deutsche Sprecherin im Tafel-Filmchen ist ja sowas von deplatziert...
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