Unsere Welt ist eine globale. Man steigt morgens frierend in ein Flugzeug und ist am Mittag im Land der Sonne.
Ich stieg heute früh in Krakau in den Zug und bin abends daheim in Leipzig. Dazwischen liegen fast 12 Stunden Bahnreise, die sich "Wawel"-IC und Regionalexpress Cottbus teilen. Ich reise Erste Klasse und versinke in Krakau in die Polster eines Bundesbahn-Waggons der vorigen Generation wie in den Plüschsessel eines alten Kinos. Ein freundlicher Mann mit weißer Haube kommt mit seinem Servierwagen vorbeigezuckelt und ich fühle mich ein bisschen wie im Hogwarts-Express. Nur dass er goldfarbene "Greski-Waffeln" anbietet statt bunte Schokoladenfrösche. Ich fahre genau einen Kriminalroman lang. Wir haben vorhin auf dem Peron (Wie klingt das im Gegensatz zu BAHNSTEIG?) über die unbeabsichtigte Zweideutigkeit gelacht, als die Liebste meinte, ich müsse das Buch in einem Zug lesen.
Die Protagonisten sind wie ich in Polen unterwegs. "Sie hatten die polnische Provinz erreicht - eine friedliche Landschaft mit Bäumen und Himmel." (S. 361) Das stimmt, ich prüfe es mit Seitenblick nach links aus dem Fenster. Und später heißt es: "Rohde [der dänische Kriminalbeamte] hatte das Gefühl zu verschwinden, von der Landschaft gefressen zu werden, zusammen mit dem schweigsamen Mann auf dem Weg in eine andere Dimension zu sein." (S. 365) Mir gegenüber sitzt zwar eine Frau, doch wir reden auch nicht, seit der Zug abgefahren ist. Sie spricht so gut deutsch wie ich polnisch. Doch dass mich ihr großer Rollkoffer schon stört, den sie vor sich ans Fenster gestellt hat (und somit auch vor meine Füße), konnte ich ihr vermitteln. Das Abteil ist sonst leer. Ihr Koffer hat einen anderen Platz bekommen. Wir schweigen.
Dann kommt die Grenze und man merkt es kaum. Nur die Häuser werden etwas bunter. Menschen sieht man auch in Forst an der Neiße nicht. Und in Cottbus steige ich aus.
Sonntagnachmittag.
Ende Oktober.
Bahnhofsvorplatz.
Das "Fürst-Pückler-Einkauszentrum" liegt schweigend im Nieselregen. Unter dem grünen "Treffpunkt-Piktogramm" fühlt sich ein Penner unwohl. Und das Einzige, was sich bewegt, sind zwei "Orion-Fahnen". Und das tun die nicht einmal erotisch. Trostlosigkeit muss nicht teuer sein.
Übrigens: In Krakau war es sehr schön.Ich stieg heute früh in Krakau in den Zug und bin abends daheim in Leipzig. Dazwischen liegen fast 12 Stunden Bahnreise, die sich "Wawel"-IC und Regionalexpress Cottbus teilen. Ich reise Erste Klasse und versinke in Krakau in die Polster eines Bundesbahn-Waggons der vorigen Generation wie in den Plüschsessel eines alten Kinos. Ein freundlicher Mann mit weißer Haube kommt mit seinem Servierwagen vorbeigezuckelt und ich fühle mich ein bisschen wie im Hogwarts-Express. Nur dass er goldfarbene "Greski-Waffeln" anbietet statt bunte Schokoladenfrösche. Ich fahre genau einen Kriminalroman lang. Wir haben vorhin auf dem Peron (Wie klingt das im Gegensatz zu BAHNSTEIG?) über die unbeabsichtigte Zweideutigkeit gelacht, als die Liebste meinte, ich müsse das Buch in einem Zug lesen.
Die Protagonisten sind wie ich in Polen unterwegs. "Sie hatten die polnische Provinz erreicht - eine friedliche Landschaft mit Bäumen und Himmel." (S. 361) Das stimmt, ich prüfe es mit Seitenblick nach links aus dem Fenster. Und später heißt es: "Rohde [der dänische Kriminalbeamte] hatte das Gefühl zu verschwinden, von der Landschaft gefressen zu werden, zusammen mit dem schweigsamen Mann auf dem Weg in eine andere Dimension zu sein." (S. 365) Mir gegenüber sitzt zwar eine Frau, doch wir reden auch nicht, seit der Zug abgefahren ist. Sie spricht so gut deutsch wie ich polnisch. Doch dass mich ihr großer Rollkoffer schon stört, den sie vor sich ans Fenster gestellt hat (und somit auch vor meine Füße), konnte ich ihr vermitteln. Das Abteil ist sonst leer. Ihr Koffer hat einen anderen Platz bekommen. Wir schweigen.
Dann kommt die Grenze und man merkt es kaum. Nur die Häuser werden etwas bunter. Menschen sieht man auch in Forst an der Neiße nicht. Und in Cottbus steige ich aus.
Sonntagnachmittag.
Ende Oktober.
Bahnhofsvorplatz.
Das "Fürst-Pückler-Einkauszentrum" liegt schweigend im Nieselregen. Unter dem grünen "Treffpunkt-Piktogramm" fühlt sich ein Penner unwohl. Und das Einzige, was sich bewegt, sind zwei "Orion-Fahnen". Und das tun die nicht einmal erotisch. Trostlosigkeit muss nicht teuer sein.
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