Durch eine völlig
glatte Fläche
ganz aus mono-
chromem Blau segelt
da oben der Pilot.
Man sieht und denkt
das gleichzeitig in
einem Bild zusammen
das mit einem Ruck
verschwindet. Später
sagt man sich, daß
man es selbst gewesen
ist, der dort als
winzig kleiner Punkt
verschwunden ist
wie ein Pilot.
Jeden Morgen nach dem Aufstehen reiße ich ein Blatt von meinem Lyrikkalender. Gibt es etwas Bildungsbürgerlicheres, als den Tag mit einem Gedicht zu beginnen? Neben der Besinnlichkeit bietet natürlich nur ein lyrischer Text genau den richtigen Umfang, um diesen als Gesamtwerk - beispielsweise bei den morgendlichen Verrichtungen im Bad - vollständig zu rezepieren. Und wenn ich gegen 5.12 Uhr noch nicht so richtig verstehe, was der Autor damit sagen will, lese ich einfach noch die umseitig gedruckte Kurzinterpretation.
Während Brinkmann in seinen poetologischen Bekenntnissen stets den Primat der sinnlichen Wahrnehmung dekritiert hat, scheinen die Gedichte selbst die Täuschungsanfälligkeit der sinnlichen Unmittelbarkeit zu zeigen. Im Pilot-Gedicht aus dem Jahr 1968 tauschen das Subjekt und das Objekt der Anschauung die Plätze. Wie verlässlich ist ein Bild, das unwiderlegbar evident schien wie der am blauen Himmel dahinsegelnde Pilot? Das Bild verschwindet jäh - und erweist sich als Spiegelung des Ichs.
Noch Fragen?
Wenigstens schafft es das Brinkmann-Gedicht in freier assoziativer Überleitung an dieser Stelle mein schönstes Ferien-Krakau-Erlebnis bebildern zu können. Ich meine natürlich das nach der historischen Altstadt, dem jüdischen Viertel und dem Besuch der königlichen Unterkünfte auf dem Wawel ...
Wenigstens schafft es das Brinkmann-Gedicht in freier assoziativer Überleitung an dieser Stelle mein schönstes Ferien-Krakau-Erlebnis bebildern zu können. Ich meine natürlich das nach der historischen Altstadt, dem jüdischen Viertel und dem Besuch der königlichen Unterkünfte auf dem Wawel ...
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