Sonntag, 21. Februar 2010

Macht der Maschinen

In düsteren Zukunftsvisionen wird uns eine Welt offenbart, in der Maschinen die Macht über den Menschen erlangen. Man denke nur an Matrix oder Terminator. Und in Wall E ist diese Welt zwar knallbunt, doch auch nicht gerade erstrebenswert.
Seit ich zu Weihnachten ein Navigationsgerät bekommen habe und seitdem keine längere Strecke fahre, ohne dies zu nutzen, droht die Vision mit der Realität zu kollidieren. Das Ganze begann als Spaß. Geschenk ausgepackt und eingebaut. Und da ich meist keine unbekannten Distanzen zurücklege, führte mich die sonore Männerstimme halt durch bekannte Gefilde. Und mich befiel jedes Mal eine heimliche Freude, wenn ich mit Absicht anders fuhr als angesagt. (Zugegeben, dies war lange Zeit auch die Folge einer nicht ganz optimal vorgenommenen Systemeinstellung, denn "schnellste", "kürzeste" und "beste" Strecke variieren mit der analogen Welt meiner Erfahrungen nicht unerheblich voneinander.) Gleichzeitig mit einem menschlichen Überlegenheitsgefühl über den virtuellen Routenplaner befiel mich aber des öfteren auch ein leichter Groll über die mit stoischer Gelassenheit vorgetragene Korrekturansage: "Die Route wird neu berechnet!" Kein Ausflippen, kein Seufzen, kein übelnehmendes Schweigen. So viel Frust kann nicht einmal eine Maschine in sich reinfressen. Die Retourkutsche musste irgendwann kommen. Und sie kam gestern.
Wir fahren aus dem Dresdner Stadtzentrum immer über die A 17 auf die Autobahn nach Hause. Immer. Viermal forderte mich unser Navi zu später Stunde auf, an der nächsten Abbiegung zu wenden (Obwohl ich den Modus "Wenden ansagen" im System abgeschaltet habe!). Nein, das tu ich nicht! Neeeeiin. Nein! Dreihundert Meter vor der Auffahrt zur A 17 erscheint dann ein ganz neues Bild auf dem Display: Ein Bauarbeiter mit Schaufel und die Erklärung "Vollsperrung"! Diese Info lässt sich mit "Ignorieren" aber einfach wieder wegdrücken. Der Absperrzaun rechts vor uns im Scheinwerferlicht aber nicht. Wir müssen wenden. So eine Sch....! Meine momentane Gefühlslage ignoriert der Mann im schwarzen Kästchen und schickt uns jetzt natürlich eben gerade zu dieser Auffahrt, an der seit heute Abend gebaggert wird.
Ich lenke in die Innenstadt zurück.
Und bin mir ganz sicher, dass die Stimme eine Spur hämischer klingt.
"Bitte wenden Sie an der nächsten Kreuzung!"

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