Freitag, 14. Mai 2010

Viel Rauch um Neo

Heute besuchten wir die Neo-Rauch-Ausstellung in Leipzig. Natürlich, weil das ein ganz Berühmter ist. Leipziger Schule! Und wenn der schon mal hier ausstellt... Staunend stehen wir vor den großen leuchtenden Bildern. Das betone ich, denn die wenigen kleinen wirken eher düster und trüb.
In einer Führung nebenan wird gerade erklärt: "Die Konfrontation des Betrachters mit dem ihm Bekannten in ungewohnter Konstellation führt zur Irritation dessen."
Das stimmt. Auf der Leinwand vor uns schwebt ein Mann aus dem 19. Jahrhundert, Heine-Zeit, was Kragen und Rock betrifft und der würgt gerade eine Frau aus den Fünfzigern, die sich einem Mann zuwendet, dessen untere Extremitäten als Fischschwanz gestaltet sind. Die Dame vom Museum zeigt auf ein anderes Werk und führt weiter aus: "Dort ist eine Staffelei mit einer Rakete, davor ein Mann, der einen Sprenkörper zündet und hier oben eine Figur, die einen Flugkörper festzuhalten versucht."
O.K., das habe ich auch ohne kunst-interpretatorische Vorkenntnis sehen können. Sie: "Der Titel "Versprengte Einheit" führt dennoch nicht zu einer Erklärung. Genauso, wie es der Künstler es beabsichtigen wollte." Schmunzel. Schmunzel. Wir gehen allein weiter. Erst freuen wir uns über die erlauschten Erkenntnisse offensichtlicher Kunstkenner. Dann legen wir selber nach: "Ah, hier wieder diese Teelichter. Dort die UFO-Baumpilze. Leitmotiv!" Dann kriege ich einen "Anranzer", als ich mit meinem Telefon ein Blogbild knipsen will: "Das Fotografieren in der Wechselausstellung ist nicht erlaubt!" Weiß ich selber, dass man das nicht macht. Steht trotzdem nirgends angeschrieben, denk ich mir. Die Liebste befürchtet zu guter Letzt noch, dass der Blick vom "Schilfkind" sie wahrscheinlich im Traum verfolgen werde. Und wenn man sich das mal genau betrachtet, so ganz abwegig erscheint das nicht.


1 Kommentar:

steffi hat gesagt…

„Kunst ist nicht da, um definiert zu werden.
Kunst ist da, um sie zu erleben.“
Stimmt!
Aber genau das Erlebnis fehlte mir bei Neo.
Er ist eine charismatische Erscheinung als Mensch bzw. Mann :-)
Er versteht sein Handwerk als Maler - unbestritten !
Aber seine Bilder gehen mir insgesamt nicht unter die Haut.
Ohne Führung hätte ich in der Ausstellung zu wenig selbst entschlüsseln können und wollen.
Manchmal musste ich auch über die Interpretationen der „Führerin“ schmunzeln.
Und wenn ich höre, dass Rauch jede Interpretation für möglich hält, muss ich den Kopf schütteln.