Gleich nach dem Aufstehen schalte ich das Fernsehgerät ein. Hat sich die Lage verändert? Gibt es neue Bilder? Ein Handy-Video? Leuchtspuren vor grünem Nachthimmel. Rauchsäulen über Manhatten. Gischt, die über Palmen schwappt. Neugier, Faszination und echtes Mitgefühl. Seit den Neunzigern bedienen die Medien unser Bedürfnis nach Information. Und bereits nach einer Woche wird die Katastrophe in Japan wieder schrittweise von anderen Nachrichten verdrängt. Gaddafi, Buchmesse, Öko-Sprit rücken auf den Titelseiten wieder nach vorn. Die Atom-Debatte hat wenigstens etwas damit zu tun. Wir haben in der vergangenen Woche gelernt, dass man mit einer Kernschmelze, die ständig droht, trotzdem weiterleben kann. Jedenfalls in Europa. Wer das jetzt zynisch findet, sollte die Zeitung von gestern aufschlagen. Da schüchtert einer ein mit "empfindliche Strompreiserhöhungen". Wenn wir die AKW`s abschalten. Der freie Bürger kann nun entscheiden, was ihm lieber ist.
Freitag, 18. März 2011
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