Seit zwei Wochen fordert mich ein Unternehmen auf, zu Lady Gaga zu fliegen. Da will ich aber partout nicht hin. Erstens weiß ich nicht, wer da eigentlich wofür wirbt. Und zweitens kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, worin das Besondere dieser Künstlerin liegt, die da mit missglücktem Why-so-serious?-Joker-Make-up von den Plakatwänden starrt. Madonna singt so seit den 80ern und Hella von Sinnen war schon in den 90ern angezogen wie Frau Gaga.
Seit heute Morgen prangt nun dieses Plakat von den Litfaß-Säulen. Der Hersteller eines Shower-Gels offeriert Besonderes. An dem Paradoxon "Je sauberer du bist, desto schmutziger wird´s" hat sich ein Werbe- und Marketing-Agent wahrscheinlich dumm und dämlich verdient. Nur erklärt sich mir der Sinn nicht ganz. Geht´s hier darum, der Benutzerin der eigentlich die Männersparte dominierenden Seifenlotion ein erfülltes Sexualleben zu versprechen, wenn sie sich nur richtig wäscht? Oder handelt es sich um eine Art Anti-Werbung einer auf die ökologische Reinheit unserer Badeseen bedachten Umweltorganisation, die durch eine ironische Brechung in der Bedeutungsebene der Kausalformulierung auf das Problem der Laugenverkippung in den Haushalten der Republik aufmerksam machen möchte? Den Verantwortlichen Bild-Text-Kombinierern sei zum Foto jedenfalls gesagt: Vor 30 Jahren genügte einem Pubertierenden schon das züchtige Fa-Mädchen, das barbusig durch die Blaue Lagune kraulte, um seinem Vorstellungshorizont nahe zu kommen. Angesichts der allgemeinen Sexualisierung in der Werbung wirkt dieses Mädel in seiner erotischen Ausstrahlung aber nicht gerade besonders "aufregend", wenn Sie wissen, was ich meine. "Das sei gerade die Absicht", höre ich die Macher tönen. "Eine sportliche Blonde im Bikini statt eine lüsterne Brünette im Badefetisch." Dem lässt sich aber entgegnen, dass die sexistische Grundhaltung trotzdem zum Ausdruck gebracht wird. Während SIE sich auf das offensichtlich anberaumte Beach-Tête-à-tête penibel vorbereiten soll, kann ER verschwitzt vom Strand-Volleyball schlurfen und es klappt trotzdem.
Schlimmeres kommt nur von dieser Eiscreme-Firma. Die gibt es gelegentlich auch hier im Kino, wie man weiß. Was aber haben "Vom Winde verweht" und "Doktor Schiwago" direkt mit der kalten Süßspeise zu tun? (Nun gut, bei letzterem gibt es diese Sequenz, wo die Holzhütte ganz bezaubernd in der sibirischen Wintersonne glitzert, während er von den Kommunisten verfolgt wird.) Und wenn schon große Kinomomente beim Löffeln der Familienpackung suggeriert werden, dann wünsche ich mir vom Anbieter nächstens auch die Sorten "Stirb langsam 4" oder "Das dreckige Dutzend" bzw. die "Denn sie wissen nicht, was sie tun"-Edition.
1 Kommentar:
Ich fürchte...
...dass du den Sinne der Axe-Werbung trotz allem Bemühen noch nicht ganz erfasst hast. Thema beachten!
Kommentar veröffentlichen