Dienstag, 10. Januar 2012

Eine Geschichte

Es begab sich, dass im Sommer 1865 ein gewisser John Boultlbee Brooks seiner Heimatstadt Hinckley in Leicesterhire mit nichts in der Tasche als zwanzig Pfund den Rücken kehrte und nach Birmingham ging. Ob es an der allgemeinen wirtschaftlichen Unzufriedenheit lag oder John sich über seinen unausprechbaren zweiten Vornamen und die nicht minder problematische Aussprache seines Heimatortes ärgerte - man weiß es nicht. Jedenfalls gründete er die Firma JB Brooks & Co. in der Großen Karlsstraße (Great Charles Street) und belieferte Pferdebesitzer mit seinen Lederwaren.
Geschockt und verzweifelt nach dem unglücklichen Ende seines eigenen Rosses, sattelte JB Brooks 1878 im wahrsten Sinne des Wortes um und kaufte sich ein Bicycle (engl. Fahrrad), um seine morgendliche Geschäftsrunde in der Stadt zu drehen. Und da ihm der Sitz des Gefährts nicht sonderlich komfortabel erschien, meldete er flugs seine Eigenkreation zum Patent an. Since 1866 gibt es BROOKS Saddles, Bags ETC. nahezu unverändert. Und seit drei Wochen bin ich der Meinung einen solchen Sattel für mein Fahrrad besitzen zu müssen.
In diversen Internet-Foren werden die Nachteile des Klassikers ebenso diskutiert wie die Vorteile. Anfälligkeit für Nässe bei Regen, vom Fetten verfärbte Hosen und ein Preis, der die Tradition des gesamten Victorianischen Zeitalters mitzubezahlen scheint, ziehen den Kürzeren gegen "das Sitzgerät fürs Leben", arschgenaue Passform nach einer überschaubaren Einfahrzeit (500 Kilometer!) und das Gefühl, Historie zu atmen, wenn man den Karton auspackt.
Ob das Ding lange hält, weiß ich nicht.
Wie ich das anatomisch verkrafte? Keine Ahnung.
Aber ist er nicht wunderschön?





4 Kommentare:

OE. hat gesagt…

Markenfetischist?!

Marie hat gesagt…

Für uns junge Menschen ist der Fahrradkeller der Weinkeller, mein guter Opa.

Kai hat gesagt…

Ein alter Militär sollte gutes Lederzeug zu schätzen wissen ;)

OE. hat gesagt…

War bei den Panzern!Dort gab es keine Pferde und die Kombis waren nur aus Lederol:=))