Mittwoch, 11. April 2012

Die Kritik an der Kritik an der Kritik

Ich stelle mir vor: Ein Abitur-Thema wäre "Im Krebsgang"...
Alles ist schon gedruckt, eingetütelt, verschickt und bis Mittwoch nächste Woche gelagert. Könnte die verantwortliche Institution denn jetzt noch einen Rückzieher organisieren, um, im wortwörtlichen Sinne des Novellentitels, den Grass durch einen Rückwärtsgang aufzuhalten?

Unsere Tageszeitung berichtet von Erich Loest, der einen offenen Brief geschrieben hat. Mit "vorletzter Tinte" - wie er selber in witziger Anlehnung an Grass` Text sagt. "Lieber Günter, ...", "... Dein Erich" - Die Vorstellung, dass große alte Männer der deutschen Literatur sich in ihrer Korrespondenz so kollegial duzen, ist eine komische. Das vermittelt so einen Hauch von "Gruppe 47", obwohl der E. Loest da noch im Osten war. Mittlerweile verblasst das Thema aber langsam in der Tagespresse. Es ist ja auch schon alles Sagbare gesagt worden, sodass es schwerfällt, den vorangegangenen durch einen noch abwegigeren oder - selten - klügeren Kommentar zu übertrumpfen. (Wobei, das habe ich so auch noch nicht gehört.)
Unsere lokale Tageszeitung widmet sich deshalb auch lieber dem kleinen toten Elefanten im Leipziger Zoo. Gestern kam die Meldung und ich war wirklich traurig. Heute wird im selben Blatt der Kritik Raum gegeben: Tierschutzverbände bemängelten Haltung und Vorgehen. Die Tierschutzbehörde solle die Zucht stoppen. Doch die LVZ kommt ihrer journalistischen Pflicht im ganz Besonderen nach, indem sie darauf hinweist: Die Leser und Online-User machten nämlich außerdem die Versetzung von Michael Tempelhoff, den langjährigen Chef-Pfleger und Ur-Sachsen, dafür verantwortlich.
Die müssen das ja wissen.
Und das muss schließlich auch einmal gesagt werden ...

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