Lieber Ingvar Kamprad,
vorab: Die neue Küche steht. Doch bin ich weniger zufrieden als sonst. Denn habe ich deine Anleitungen zum Selbstzusammenbauen bisher geschätzt, so wurde ich bitter enttäuscht. Nein, es betrifft nicht die Logik der Piktogramme, die Bohrungen an genau dieser und keiner anderen Stelle, die angefräste Kante, die ein Verkehrtherumlegen des Grundbrettes für FAKTUM unmöglich macht - es geht um etwas Anderes. Vielleicht konterst du jetzt, dass sich da einer aufregt, der einen Beruf eingeschlagen hat, welcher mit Handwerk meist recht wenig zu tun hat. Doch richtet sich deine Geschäftsidee ja gerade an solche Leute. Und außerdem wurden mir im Rahmen meiner polytechnischen Schulbildung doch die einen oder anderen Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt - im PA-Unterricht während der Einführung in die Sozialistische Produktion (kurz ESP). Zur Erinnerung: Wir bastelten zwar nicht an BILLY oder Co. - das machten zu dieser Zeit auch einige Leute in der DDR, aber nicht ganz freiwillig, wie du weißt - sondern feilten an Einkauf-Wägelchen für die Omas oder montierten Grubenlampen für Schmuckzwecke. So Konsumgüter halt. Und genau dort habe ich gelernt, was Arbeitsschutz bedeutet. Die langen Haare gehörten unter ein Netz, die großen Fußzehen in Arbeitsschuhe. Denjenigen, die immer wieder dagegen verstießen, wurde von Ausbildern in breitem Sächsisch ausschmückend dargelegt, wie sich ein Mädchen-Zopf bei 1500 Umdrehungen in einer Bohrmaschine verhält ... Und eben deswegen verstehe ich nicht, wieso man bei der Montage der Schubladenfront APPLAD keine Unterhose tragen darf. Was da passieren kann! Das hätte unseren sadistischen ESP-Lehrer gefallen ...

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