Ob es an der Entwöhnung während unseres Verweilens an Ostseestränden und in der Campingplatz-Wildnis oder einfach nur am guten Programm des Endaugusts liegen mochte, gestern verabredeten wir uns zum Kinotag in der Dresdner Schauburg. Zwei Filme standen auf unserem persönlichen Programm. Dabei war die Abfolge, zuerst "Am Ende kommen Touristen", dann "Zusammen ist man weniger allein" sowohl organisatorisch (16.45 Uhr, dann 20.00 Uhr) als auch inhaltlich perfekt abgestimmt. Der tiefe Film vor dem locker französischen. Und Gesprächsstoff für zwischendurch und die Heimfahrt. Wer kennt diese Minute des Schweigens nach dem Verlassen des Lichtspieltheaters nicht, bis die Frage folgt, "Na, wie fandst du ...?" Manchmal brennt diese Frage, manchmal belastet sie.
"Am Ende kommen Touristen"
Ich war enttäuscht von Thalheims Film. Und zwar an der Stelle, als der Abspann lief. Es gab Verantwortliche für Catering und Casting. Es waren doch nur Schauspieler. Was wir gesehen haben, war Leben und überzeugend. Und das lag nicht nur am grobkörnigen Bild und Handkamera. Da bewegt die Nation "Der ´Sehrrr, sehrrr gut!´- Untergang" und emanzipierte Zuschauer diskutieren über "TV-Ereignisse" á la "Die Flucht"? Geneigte Leser, schaut euch diesen Film an!
Der Zivi Sven kommt im polnischen Oswiecim an, mit dem Zug. An dem Ort, der früher Auschwitz hieß und wo die Gleise der Reichsbahn endeten. Dort soll er sich um den Zeitzeugen Krzeminski kümmern. Der Film z e i g t das, was mit Worten auszudrücken nur unzureichend möglich ist. Was verbindet unsere Generation mit Auschwitz? (Ein Freund Krzeminskis: "Frag ihn mal, ob sein Opa auch schon im Lager gearbeitet hat!"). Und die Dimension des Filmes geht noch weiter. Wir kriegen Einblick in das Leben polnischer Jugendlicher. Ihren Umgang mit der Vergangenheit ("Hey Leute, die deutsche Arme ist wieder in Auschwitz!"). Bekommen eine Antwort auf die wohl unangebrachteste, weil, wenn auch nicht gewollt, doch letztlich überhebliche Frage, die auch ich mir an der Gedenkstätte gestellt habe. Wie man an diesem Ort wohnen könne? (Ania, die junge Polin: "Ich bin hier geboren und groß geworden. Das ist alles."). Und so radeln sie, die Verliebten, durch das sommerliche Monowitz, ein idyllisches Dorf, das auf den Resten des Lagers III entstanden ist. Und Sven kann es kaum fassen. In meiner Lieblingsstelle fährt der Zivildienstleistende den über 80jährigen KZ-Überlebenden im Auto. Eine Zigarre in der Hand hört dieser Lieder von Schubert und "befiehlt": "Ahnzünden!" Überhaupt spricht Krzeminski in dunklem Ton ein Deutsch, das weniger vom Akzent als von einer Antiquiertheit geprägt ist. Ein Deutsch, dessen Charme in dem Moment vergeht, in dem man sich bewusst wird, dass es die Sprache der Mörder seines Volkes gewesen ist. Die Sprache, die er aus seiner Vergangenheit hervorholt. "Am Ende kommen Touristen" - die Liebste und ich fragten uns: Wird das die Zeit sein, wenn der letzte Überlebende nicht mehr existiert? Ist es der fatalistische Blick auf das, was wir Erinnerungskultur nennen? War es nie anders gewesen? Schaut euch diesen Film an!
"Zusammen ist man weniger allein"
Die Fimkritik warnte: "Buttercrémetorte!" Dem kann ich nicht zustimmen! Höchstens Erdbeerkuchen. Ich habe den Roman von Anna Gavalda gelesen. Und ich stellte mir in der Figur Camille niemanden anderes als Audrey Tautou vor.
Wenn man Paris mag (diese herrlich morbide Wohnung!), den Wert von Freundschaft feiern möchte, akzeptiert, dass im Kino vorwiegend Frauen um einen platziert sind, und sich ab und zu ein süßes Stück Erdbeerkuchen genehmigt, dann werdet ihr - frei nach Keimzeit - "betrunken vom Kitsch und bitter vor Neid" aus dem Kinosaal gehen. Wir taten´s.
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