Endlich einer dieser Sonnabende. Es nieselt unangenehm hinter der Fensterscheibe. Der Himmel novembert vor sich hin. Niemand wird es uns jetzt übel nehmen, länger im Bett zu bleiben. Das Gewissen nicht und das unbestimmte Über-Etwas, das im Sommer von uns Aktion fordert, erst recht nicht. Es gibt ein Picknickfrühstück vor dem Fernseher. Es gibt Lesen beeinander. Die Liebste ruft, dass das Mittagessen fertig sei. Es ist 17.30 Uhr. Solche Tage liebe ich. Wenn sie sich nicht häufen. Am Sonntag zog es uns hinaus ins Grüne. Decke, Krimi, Obstkuchen, mit den Kopfhörern in den Himmel gucken. Am Abend versuchte ich dann den "Soundtrack" meines Lebens auf 2 Gigabyte meines "IPOD" zu pressen. Eine Aktion, die man nur in den Ferien praktizieren mag und die nur schief gehen kann. In Illustrierten werden Prominente dazu aufgefordert. 10 Lieder, die sie prägten. Ich freue mich, wenn bekannte Angehörige meiner Generation ähnliche Stücke zu ihren Favoriten zählen. Die Liebste könne das nicht. Sie verbinde bestimmte Musik mit bestimmten Lebensphasen. Und manche seien einfach vorbei. Ich kann ihr da nicht widersprechen, aber noch bin ich nicht so weit, meine Platten wie in "High Fidelity" nach Bekanntschaften zu sortieren. (Ziemlich spießig stelle ich sie alphabetisch geordnet auf.) Und selbst wenn es so wäre, gäbe es Favorits. Beim sonntäglichen Blick in die Birkenkronen am Talsperrenufer Kriebstein versuchte ich eine Auswahl. Natürlich nicht ganz unbeeinflusst von dem, was ich gerade hörte. Wen das jetzt nicht interessiert, der brauch auch nicht weiterzulesen. Hier mein Ergebnis:
J.S.Bach: Prélude ( Cello-Suite No. 1 G-Dur)
Ich bin kein Klassik-Kenner. Aber das Stück fühlt man im Bauch und in der Seele. Natürlich auch beeinflusst von "Master und Commander".
Sigur Ros: Untiltled 1 ( (...) )
Ja, das Stück klingt deprimierend. Aber diese Band aus Island, die alle ihre Songs "Untitled" benennt, die Platte selber (...) [Klammer auf...Klammer zu] betitelt, die Scheibe in einem alten Hallenbad aufgenommen hat, die Gitarre mit Bogen spielt und dazu in einer Kunstsprache singt,
eröffnet dem Hörer den Blick in den Sternenhimmel Islands (das stammt nicht von mir).
Björk: Bachelorette (Homogenic)
Noch etwas aus Island. Als ich klein war, sah ich in "Formel Eins" ein Video der "Sugarcubes". Schräg, schrammelnd und dann diese Stimme.
Gerhard Gundermann: Linda (Der 7te Samurai)
Früher konnte ich mit Gundermann nichts anfangen. Ein singender Baggerfahrer! Aber jetzt umsomehr. "Du bist in mein Herz gefallen wie in ein verlass´nes Haus, hast die Tür´n und
Fenster weit aufgerissen. Das Licht kann rein und raus." Es geht um seine jüngste Tochter Linda.
U2: With Or Without You (The Joshua Tree)
Meine Lieblingsband. Meine Lieblingsplatte. Bei DT 64 mitgeschnitten. 1989 vom Begrüßungsgeld gekauft. Jetzt gerahmt an der Wand. Als CD nacherworben. Im Film "Rattle and Hum" ist der Song um eine Strophe erweitert. Gigantisch.
Nick Cave: The Weeping Song (The good son)
Der Dialog zwischen Blixa Bargeld und Nick Cave, zwischen "Sohn" und "Vater". Warum weinen die Frauen?
Radiohead: Street Spirt (The bends)
Ich mochte auch das Video. In schwarzweiß gedreht springen Frauen in Zeitlupe vor Wohnwagen durch die Luft.
Tocotronic: Nach Bahrenfeld im Bus (Es ist egal, aber)
Das letzte Lied der Scheibe ist, glaube ich, weniger bekannt. Da setzt sich jemand mit einer Flasche Bier in den Bus und fährt nach Bahrenfeld. Hamburger Schule oder Neue Subjektivität? Die Gitarren nehmen während des Textes Anlauf und brechen dann los. Der ideale Ich-fahre-von-der-Schule-nach-Hause-Song.
Janis Joplin: Ball And Chain (Greatest Hits)
Als ich in meinem Naubaukinderzimmer "Mercedes Benz" hörte, fragte mich mein Vater, ob ich da gesungen hätte. Später las ich, dass Janis Joplin selbst im "Schreien" exakte "Tonlinien" traf.
The Doors: The End (Greatest Hits)
Ein Freund brachte mir eine sowjetische Pressung der "Doors" aus Wladiwostok mit. Die 10-Minuten "Vatermörder-Mutterschänder-Geschichte" hörte ich auf dem alten Plattenspieler im Soldatenklub immer wieder. Wir versuchten die Metaphern des Songs zu übersetzen (Ride the snake...). Erfolglos. Trotzdem empfanden wir, dass das Lied etwas Subversives in sich trägt.Erst später erfuhr ich, dass "Apocalypse Now" (Francis Ford Copolla) mit diesem Song endet. Und dass es eines der Lieblingslieder Heiner Müllers gewesen ist. Das gab dem Ganzen noch die intellektuelle Basis.
Talk Talk: Eden (Spirit of eden)
Im Radio hört man ab und zu "Such a shame". Doch mit "Spirit of eden" ging die Band in den 80er Jahren schon Wege, die sich auch 25 Jahre später noch avantgardistisch anhören.
Ich bin kein Klassik-Kenner. Aber das Stück fühlt man im Bauch und in der Seele. Natürlich auch beeinflusst von "Master und Commander".
Sigur Ros: Untiltled 1 ( (...) )
Ja, das Stück klingt deprimierend. Aber diese Band aus Island, die alle ihre Songs "Untitled" benennt, die Platte selber (...) [Klammer auf...Klammer zu] betitelt, die Scheibe in einem alten Hallenbad aufgenommen hat, die Gitarre mit Bogen spielt und dazu in einer Kunstsprache singt,
eröffnet dem Hörer den Blick in den Sternenhimmel Islands (das stammt nicht von mir).
Björk: Bachelorette (Homogenic)
Noch etwas aus Island. Als ich klein war, sah ich in "Formel Eins" ein Video der "Sugarcubes". Schräg, schrammelnd und dann diese Stimme.
Gerhard Gundermann: Linda (Der 7te Samurai)
Früher konnte ich mit Gundermann nichts anfangen. Ein singender Baggerfahrer! Aber jetzt umsomehr. "Du bist in mein Herz gefallen wie in ein verlass´nes Haus, hast die Tür´n und
Fenster weit aufgerissen. Das Licht kann rein und raus." Es geht um seine jüngste Tochter Linda.
U2: With Or Without You (The Joshua Tree)
Meine Lieblingsband. Meine Lieblingsplatte. Bei DT 64 mitgeschnitten. 1989 vom Begrüßungsgeld gekauft. Jetzt gerahmt an der Wand. Als CD nacherworben. Im Film "Rattle and Hum" ist der Song um eine Strophe erweitert. Gigantisch.
Nick Cave: The Weeping Song (The good son)
Der Dialog zwischen Blixa Bargeld und Nick Cave, zwischen "Sohn" und "Vater". Warum weinen die Frauen?
Radiohead: Street Spirt (The bends)
Ich mochte auch das Video. In schwarzweiß gedreht springen Frauen in Zeitlupe vor Wohnwagen durch die Luft.
Tocotronic: Nach Bahrenfeld im Bus (Es ist egal, aber)
Das letzte Lied der Scheibe ist, glaube ich, weniger bekannt. Da setzt sich jemand mit einer Flasche Bier in den Bus und fährt nach Bahrenfeld. Hamburger Schule oder Neue Subjektivität? Die Gitarren nehmen während des Textes Anlauf und brechen dann los. Der ideale Ich-fahre-von-der-Schule-nach-Hause-Song.
Janis Joplin: Ball And Chain (Greatest Hits)
Als ich in meinem Naubaukinderzimmer "Mercedes Benz" hörte, fragte mich mein Vater, ob ich da gesungen hätte. Später las ich, dass Janis Joplin selbst im "Schreien" exakte "Tonlinien" traf.
The Doors: The End (Greatest Hits)
Ein Freund brachte mir eine sowjetische Pressung der "Doors" aus Wladiwostok mit. Die 10-Minuten "Vatermörder-Mutterschänder-Geschichte" hörte ich auf dem alten Plattenspieler im Soldatenklub immer wieder. Wir versuchten die Metaphern des Songs zu übersetzen (Ride the snake...). Erfolglos. Trotzdem empfanden wir, dass das Lied etwas Subversives in sich trägt.Erst später erfuhr ich, dass "Apocalypse Now" (Francis Ford Copolla) mit diesem Song endet. Und dass es eines der Lieblingslieder Heiner Müllers gewesen ist. Das gab dem Ganzen noch die intellektuelle Basis.
Talk Talk: Eden (Spirit of eden)
Im Radio hört man ab und zu "Such a shame". Doch mit "Spirit of eden" ging die Band in den 80er Jahren schon Wege, die sich auch 25 Jahre später noch avantgardistisch anhören.
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