Jedes koreanische Kind muss einmal im Leben den Königspalast in Seoul besuchen. Wenn man ganz klein ist, wird man in einen zur Kita passenden Trainingsanzug gesteckt, um seine Kindereinrichtung nach außen zu repräsentieren. Außerdem erleichtert dieses Outfit den Erzieherinnen die Bewahrung des Überblicks. Scheinbar können die asiatischen Menschen sich selber nicht richtig unterscheiden. Vor allem, wenn es mehrere Hundert auf einmal sind, die da zusammenkommen. Größere Kinder tragen diese Uniformität nur, wenn sie zur Schule gehen. Dafür laufen sie in Reihe und Glied, wenn sie historische Orte besuchen. Doch heute waren ihnen Palastgebäude und Zeremonien des 14. Jahrhunderts egal. Denn drei europäisch aussehende Herren im besten Alter besuchten den Palast ebenfalls. Die Kleinen schauten verschüchtert oder starrten mit dunklen Augen. Die größeren Kinder winkten "High! Where do you come from?" Mutige schütteln unsere Hände. Frank wird sogar umarmt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder nehmen uns die Kids auf den Arm, oder "Shogun" mit Richard Chamberlain war nicht nur schmalzige Unterhaltung sondern die Wahrheit. Andreas wird derartig massive und auch körperlich drohende Zuwendung zuviel. Als drei zwölfjährige Mädchen auf ihn zustürmen, zückt er sein Taschentuch und schmettert die völkerverbindende Geste in lupenreinem Englisch ab: "I´m sick!!"
Seit heute wissen wir, wie sich Filmstars fühlen.
Und am Abend fotografierten wir die leuchtende Stadt.
2 Kommentare:
Nicht, daß ich es nicht verstehen könnte - aber warum erfreut sich gerade Frank solcher außerordentlichen Beliebtheit, die in körperlichem Kontakt mündet? Darf ich ihn auch mal anfassen, sobald wir alle zurück sind?
Aus dramaturgischen Gruenden wird immer Frank erwaehnt, aber eigentlich bin auch ich umarmt worden. Und auch Kai hat Haendchen geschuettelt...
Die Erlaubnis, Frank anzufassen, gibts nur in Altdoebern.
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