Nachtrag zu gestern:
Von den koreanischen Menschen haben wir falsche Vorstellungen. Sie sind nicht immer klein. Sie sind nicht immer ohne Temperament. Sie sind nicht nur konfuzianisch in sich gekehrt. Sie sind immer hilfsbereit und interessiert. "Where do you come from?" "Germany!" "Oh."
Manchmal machen sie aber trotzdem eigenartige Sachen. Sie bauen Hotels hoch auf Klippen, die aussehen wie Passagierdampfer. (Man verstehe das so: Das Hotel ist ein Schiff!!). Möwenruf und Nebelhornton kommen aus Lautsprechern und beschallen die gesamte Bucht. Wir sind begeistert und abgeschreckt. Kreuzfahrt, ohe das Land zu verlassen. Verschandlung einer wirklich idyllischen Strandlandschaft.
Den zweiten Höhepunkt des Tages erlebten wir in einem "SPA". Das ist keine richtige Sauna, aber alle laufen nackig rum. Es ist kein richtiges Schwimmbad, aber es gibt mehrere Becken mit heißem, heißerem und am heißesten Wasser. Es ist kein Wannenbad (sowas gab es früher einmal), aber die koreanischen Männer hocken auf kleinen Plastikstühlchen und seifen sich gegenseitig den ganzen Körper ab. Auf letzteres haben wir verzichtet, aber sonst sind wir von einem Pool in den anderen und zurück gerobbt, solange es unsere Kreisläufe mitmachten. Eine Wohltat.
Der dritten Höhepunkt schaute uns mit fischigen Augen eine ganze Weile an, bevor wir entschieden hatten, diese sollte es sein. Und das trotz des Besuches mehrerer buddhistischer Tempel! Eine Krabbe aus der Eastern Sea ist unser Abendbrot geworden. Der Drang, sie zurück in den Ozean zu werfen, währte nur kurz. Zwar hatten wir schon irgendwie eine persönliche Beziehung aufgebaut (dieser Blick), doch der Preis (außerordentlich) sichelte unsere Bedenken einfach nieder. Ihr letaler Abgang erfolgte in einem Dampftopf, während wir die Stufen des Hafenrestaurants emporstiegen. Unser Nicht-Fisch-Esser Frank kostete nur (Kompliment) und unter uns Rest-Dreien ließen sich die sechs Beine des Meerestieres auch besser dividieren. Nun sind wir wieder in Seoul. Morgen werden wir die Stadt erobern. Frank, Andreas und ich. Toralf muss ins Büro.
Und da sind sie wieder, die kleinen Unterschiede. Während ich meinen Tag vorbereite, indem ich mir die Strümfe rauslege, wählt Tori seine Manschetenknöpfe und legt die passende Armbanduhr zurecht.
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