Der Mensch gehört zur wohl eigenartigsten Spezies, die ich kenne. Da gelingt es ihm, in den Weltraum zu fliegen, doch seine Wäsche muss er immer noch bügeln. Er investiert Milliarden für bemannte Raumstationen! Und die nebenbei anfallenden Erfindungen pappt er sich lieber unter das Plätteisen anstatt das Übel knitternder Hemden zu bekämpfen. Natürlich wünsche ich mir kein T-Shirt mit Teflon-Beschichtung, doch bei näherer Betrachtung erscheint das alles wie eine große Verschwörung des Militärisch-Industriellen-Komlexes. Oder religiös gesehen als die moderne Reaktion des Alten Herrn auf den Sündenfall.
Wenn man von frühen Versuchen, eine kratzige NVA-Uniformhose ausgangsfertig zu bekommen, absieht - es herrschte damals Befehlsnotstand - , bügle ich erst seit meinem 35. Lebensjahr. Zwar lässt sich ein gewisser Stolz nicht leugnen, der sich einstellt, wenn Mann sich in der Lage weiß, sein Hemd selbst bügeln zu können. Doch über die methodischen Kenntnisse zu verfügen und sie allwöchentlich ausführen zu müssen, sind zwei unterschiedliche Dinge!
Ich habe schon vieles probiert. Die Theorie, den Wäscheberg wachsen zu lassen, um dann in drei bis vier Stunden brachialer Gewalt alles platt zu machen, versagt aufgrund fehlender Ausdauer und meiner "Monkigkeit" (siehe "Monk", die Serie), was unaufgeräumte Ecken in der Wohnung betrifft. Die Variante Ich-räume-alles-nach-dem-Waschen-in-den-Schrank-und-bügle-nur-bei-Bedarf erscheint mir irgendwie prekariatsverdächtig. So erledige ich alles in kleineren Portionen gleich und drücke die ent-falteten Wäschestücke nach jedem Waschen zufrieden in den Schrank. Das führt wiederum zu geknickten Hemdkrägen und knittrigen Sweatshirts...
Auch die Nebenbei-Beschäftigung ist differenziert auszuwählen. Ich bin kein "Nur-Bügler"! Ich sehe fern dabei. Besser, ich höre Fernsehen. Dabei wähle ich mir gezielt Beiträge auf besonders niedrigem Niveau aus (Talk, Talk, Talk; Explosiv; Fit for Fun). Oder schalte Filme ein, die ich schon mehrmals gesehen habe. Eigenartig, Musik oder Hörbücher konsumiere ich kaum. Ich brauche wahrscheinlich den Medieneinfluss auf mehreren Kanälen, wenn ich vor dem Brett stehe.
Was bleibt?
Ich bügle nicht gern.Ich bügle langsam. Ich bügle nicht gut.
Liebste! Niemand legt meine Hemden so zärtlich wie du.
Und jetzt muss ich bügeln gehen.
3 Kommentare:
Ich werde dich mal moralisch unterstützen und mir ein Bügel-Pils aufmachen! Was mich zur Etymologie des Wortes bringt. Das Substantiv ergibt ja einen Sinn, aber das Verb?
Niemand bügelt gern. Ich weiß nicht mehr wann ich das erste man gebügelt hab, aber dass es mir bis heute keinen Spaß macht weiß ich sehr wohl. Meine Lösung: Nicht bügeln. Sachen kaufen, die man nicht bügeln muss, bzw. geschickt aufhängen. Restliche Falten verschwinden beim Tragen von allein.
@AnneE: Das ist auch keine Lösung, knitterfreies Zeug. Ab und an MUSS mensch einfach mal bügeln, um z.B. neue CD's durchzuhören.
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