Det is Berlin!
Meine Tochter kann diesen Satz nicht mehr hören. Vor allem, wenn ich ihn ungekonnt dahinberlinere. Aber det trifft zu.
Drei Tage gab es ein ausgewogenes Vater-Tochter-Programm in der Hauptstadt. Das heißt eine Tour de Kompromiss. "Wollen wir dann noch ins Brücke-Museum?" "Was ist denn da?" "Expressionistische Malerei." "Mhm! Was ist das?" Und so pendelten wir zwischen "Nici"-Läden und Gräber-Fotografieren auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof (Heiner Müller, Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Anna Seghers, Frank Beyer). Zwischen Atmosphäre-im-Hinterhof-Suchen und "Hello Kitty"-Shop. Zwischen Preisvergleich bei Ampelmännchen und Sonneanbeten an der East-Side-Gallery.

Nämlich dann, wenn wir am Bahnhof Zoo und den Hacke´schen Höfen die Punker zwischen ihren gutmütigen Kötern lungern sehen. Wenn auf dem Ku´damm edle Endfünfzigerinnen ihre prallen KaDeWe-Tüten schlenkern. Wenn in der S-Bahn Anzugträger auf schwäbisch überartikulieren und Politik plötzlich ganz (an)greifbar wird, weil sie neben einem steht. Wenn der Busfahrer auf unser 72 Stunden-Erwachsener-mit-Kind-ABC-Ticket schaut und schnoddert: "Det kenn ick noch jarnisch." Wenn die stylische Prenzelberg-Mutti mit Sonnenbrille zum Spielplatz geht und ihre "Jörren" in zerfetzten Jeans auf ergonomischen Holzrollern einen Hund vor sich herjagen. Wenn in der U-Bahn zwischen Russisch und Kopftuch ein Langhaariger Selbstgemachtes singt und ein verfilzter Spund in Trainingshose seine Obdachlosenzeitung mit "Ick wünsche Ihnen noch´n schönen juten Tach!" feilbietet. ...
Det is Berlin!
Dazu gab es eine große Portion Naturkundemuseum (Das Saurierskelett meiner Kindheit angereichert mit den Gerippen diverser Fress-Echsen, die der Jurassic-Park-Generation geschuldet sein dürften. Und vielen, wirklich sehr vielen, versteinerten Überresten und Abdrücken von Fischen, Farnen und Füßen von Tieren.) Das neu errichtete DDR-Museum (Hübsch und klein. Und alles in allem ein zur Mitmach-Ausstellung mutiertes Souvenir für Altbundestouristen und ausländische Gäste, die ihre Klischee-Vorstellungen bestätigt finden. Frühkindliche Förderung in der DDR = Kollektives Kacken der Krippenkinder.) und den Besuch der obligatorischen Curry-Wurst-Buden mit einhergehendem Verzehr der Berliner Köstlichkeit.
Erkenntnis dieser Tage:
- Man kann auch im Westend gut unterkommen. Und in Pichelsberg ist es sehr ruhig.
- Die ewige Frage: "Starbucks Coffee" oder "Dunkin` Donuts" - Wer hat mehr Filialen?
- Hütet euch vor der digitalen Welt. Meine FlashCard hauchte nach ca. 250 Fotos ihren Geist aus. Alle Knipps-Bilder im Nirvana der digitalen Vergänglichkeit. Icke k.... ab!
- Für Rainald Grebe hätten wir einen Tag länger bleiben müssen.
2 Kommentare:
Eh Alter, resch dich ma nich so uff, hier isses verdammt hipp, deshalb biste doch och hochjekommen, wa? Hast ja recht wa, de Klischees sin numa so. Aber det brauch ne Hauptstadt och!
Hippe Grüße von den Wahlberlinern,
Joi und Jey
Andreas:
Oh, oh!!! Böser Faux pas!! Ines H. ("Ej, spinnstu?! Die is frischewaschen!") würde Dich jetzt maßregeln: "Punker"?! Ditt heeßt Punks...
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