Dienstag, 25. März 2008

Ostermontags- und Dienstagsunternehmungen

Gestern besuchte ich meinen Freund Frank. Und wir haben viel erlebt.
Die erste Unternehmung führte mich ins neugebaute Eisstadion der "Dredner Eislöwen". "Wir klatschen Kaufbeuren weg!" So hieß das Motto. Und es ging nicht nur um irgendeinen Sieg, sondern um den Gewinn im Play Off. Was das bedeutet, hat Frank mir ganz genau erklärt. Irgendwie muss der Tabellenführer aus dem Norden gegen den Viertplazierten aus dem Osten spielen. Und wenn der dann gewinnt, kommt es auf die Punkte an, die der Dritte gegen den Zweiten aus dem Süden errungen hat.
Oder so ähnlich.

Auf alle Fälle war es ein furchtbar wichtiges Spiel. Wir waren die in Weiß-Blau. Die Bayern reisten in Gelb an. Das ist jetzt zwar nicht zwingend logisch, aber die eingefleischtesten Fans der Eislöwen kamen ja auch als rosa Karnickel verkleidet. Ich bin - ehrlich zugegeben - kein Kenner dieser Sportart. Und den Schal trage ich auch so.


Am Eishockey mag ich:
A) die Schnelligkeit des Spiels, besonders...
B) ... wenn die Schlittschuhspieler in voller Fahrt gegen die Planken krachen
C) das Spektrum von Ritualen ("Hüpf, Teddy, hüpf!" - und ein Student im grünen Bärenlook springt im Takt auf dem Eis)
D) und diese herrlich unfairen Sprüche gegen die "Gäste" und ihre Fans.

Am Eishockey mag ich nicht:
A) die kalten Plastikstühle
B) dass man den kleinen Puck nicht richtig sieht
C) dass ständig Spieler raus- und rein stürzen
D) wenn der Mann mit der Eismaschine so fährt, dass er zum Schuss für den Zehn-Zentimeterstreifen nochmal wenden muss.

Ich bekam eine Menge geboten. Fünf normale Tore. Und ein Tor, wo der gegnerische Hüter den flinken Puck nach hinten ins Netz verlor. Zehn Minuten Nachspielzeit. Und Freistöße. Es muss im Play Off nämlich immer einen Sieger geben. Immer! Das ist so ähnlich wie beim 11 Meter, nur dass der Freistoßende mit vollem Karacho auf das Tor zuschlittert und erst im letzten Moment losschießt. Frank beruhigt mich: "Fallen ganz selten Tore!" Eins gab es dann aber doch und wir gewannen. Die Fans aus Bayern zogen gedemütigt ab. Eine Zwanzigjährige machte ihrem Ärger verbal Luft: "... dafür bezahlen wir immer noch Soli!" Sport und Politik lässt sich eben doch nicht so leicht trennen. Das für euch, ihr Chinesen.


Die zweite Unternehmung führte uns heute Vormittag ins "Militärhistorische Museum der Bundeswehr". Behelfsmäßig war die Ausstellung ausgelagert, man baut nämlich aus und an. Vielleicht war deshalb das museumspädagogische Konzept nicht gleich auf den ersten Blick zu erkennen. Wobei das Prinzip der Tarnung ja mit der Sache zusammenhängt. Im Eingangsbereich eine kurze Übersicht zur ruhmreichen Vergangenheit des deutschen Militärs. Dann rechts immer DDR und Warschauer Pakt. Und links Bundeswehr plus NATO.
Der Eintritt war kostenlos. Noch nie habe ich in einem Museum so viele Kinder gesehen. Jedes dritte trug ein Kleidungsstück im Camouflage-Look. Und wenn der Sprößling in Zivil erschien, hatte der Papa die Tarnjacke an. Wirklich bedenklich wurde es erst später.
Als wir rausgingen stand da diese Truppe junger Männer. Trainiert und kurz behaart. Ein rhetorisch recht gewandter Redner im Nadelstreifen erläuterte gerade das Prinzip personalisierter Geschichte am Beispiel des Weltkriegsfliegers Max Immelmann und der nach ihm benannten Angriffs-Rolle. Wie es so ist: Erst gestern Abend guckten wir "Ein Freund von mir" und da erklärte Hans (Jürgen Vogel) dem Karl (Daniel Brühl) und Frank , warum Flugzeuge in der Luft bleiben. Heute schon erfährt mein Freund, dass der tollkühne Angreifer immer die Sonne im Rücken haben muss und "bremsen" sollte, wenn der Gegner einem am Leitwerk hängt.
Den Jungs gefällts. Sie hören gespannt. Sie tragen fast alle "Alpha Industries"- Jacken. Uns kommen Zweifel, ob das die künftige Zeitsoldaten der Bundeswehr sind, die in den Bus des Wachbataillons gehören, der vor dem Gebäude parkt. Und wenn es doch ihr Bus ist, dann kommen uns noch größere Zweifel. Wir verlassen das Gebäude. Irgendetwas müsste man tun! Wir wissen nicht was.
Übrigens: Das Museum sucht Material und Exponate zum Thema "Panzersprenghund".
Falls einer der geneigten Leser einen dreibeinigen Schäferhund mit Ritterkreuzhalsband kennt, das Museum wird es ihm danken.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Zwar heißen die Freistöße nicht Freistöße, sondern penalty (wie du weißt!) und über den Play off - Modus solltest du vielleicht doch noch mal nachlesen, aber sonst hast du unsere Unternehmungen unterhaltend untermalt. Einschließlich unserer Sprach- und Tatenlosigkeit angesichts der Begegnung der dritten Art im Militärhistorischen Musuem. Zu Hause saß ich noch eine Viertelstunde vor dem Internet-Kontaktformular des Museums. Nichts zu schreiben war dann auch (k)ein Protest.

Anonym hat gesagt…

Andreas:

Und wie Du weißt, muss im Eishockey auch in der regulären Saison immer einer gewinnen. Es gibt keine Remis' im Eishockey!

Was ist ein Panzersprenghund?

Anonym hat gesagt…

Na, ein Panzersprenghund, das ist doch ganz klar, das ist ein Selbstmordattentaeter auf vier Pfoten. Feindliche Panzer fahren durch schon menschenleere zerstörte Städte, das einzige Lebewesen, das plötzlich aus den Trümmern auftaucht, ist ein kleiner humpelnder Schnuffi mit traurigen Augen, der feindliche Soldat steigt aus, streichelt ihn, sagt "wie niedlich", nimmt ihn mit, pflegt ihn, füttert ihn, bereitet ihm ein Lager in einem Panzereckchen, alle gewinnen ihn lieb und freuen sich, daß sie noch Zärtlichkeit für ein Lebewesen empfinden können und der Krieg sie noch nicht total kaputt gemacht hat, und dann, nach ein paar Tagen, wenige Minuten nache der letzten Portion Frolic, zündet Schnuffi die Bombe und dann macht es Puff.

Das ist ein Panzersprenghund.

Anonym hat gesagt…

Andreas @ Maria:

Ich hatte es befürchtet, dass es nur so sein kann.