Über das Abitur darf ich nicht schreiben. Also erzähle ich heute etwas über Eiswerbung. Die läuft nämlich auch in einem unserer Liebligskinos, der Schauburg in Dresden. Und zwar immer am Ende des Werbeblocks. Oder gestern vor "Fleisch ist mein Gemüse".
Ich frage mich warum, denn vorbei ist die Zeit, als in fernen Leipziger Studententage danach eine Aushilfskraft mit Bauchladen erschien und zaghaft fragte: "Will noch jemand ein Eis?". Erinnert sei an dieser Stelle auch an jene kultischen Auftritte des Eismannes (seinen Namen habe ich vergessen und auch, ob ich ihn jemals gewusst habe), der den Gang durch die Reihen so zum Entertainment gestaltete, dass der eine oder andere Lichtspielbesucher sicher nur seinetwegen die Vorstellung besuchte, um am Ende ein Erdbeerhörnchen mit Schokosplittern in Händen zu halten.
Magnum hat eine neue Kampagne gestartet. Der Spot, in dem leicht bekleidete Insulanerinnen zu Bongo-Klängen im Mondschein den Magnum-Götzen anbeteten, um sich dann unter ekstatischen Zuckungen ihrer bronzefarbenen Körper ein Eis am Stiel - äääh, einzuverleiben, wurde abgelöst! "Rassistisch, sexistisch, frauenverachtend", urteilte meine Lieblings-Cineastin nach dem ersten Sehen mit feministischen Blitzen in den Augen. Nun ja. Für den neuen Film lässt sich ersteres Attribut auf alle Fälle ausschließen. Statt im exotischen Ambiente kommt das Schoko-Eis in einer dezenten Schachtel daher. Eine brünette europäische Schöne giert dieser Verpackung aber mit einem dermaßen erwartungsvollen Blick entgegen, dass beim Rezipienten zwangsläufig die Vorstellung geweckt wird, die kalte Süßspeise müsse jeden Augenblick mit mechanischem Brummen zu vibrieren beginnen. Tut sie aber nicht. Wahrscheinlich, weil die benötigten R6-Batterien nicht mit zum Lieferumfang gehören.
Statt dessen schält die Langhaarige ihr Magnum aus dem knisternden Papier, sinkt dabei genußvoll auf die Ottomane zurück und genießt das Halbgefrorene in fellatiöser Art und Weise mit Kopf im Nacken.
Welche Zielgruppe wird angesprochen? Das ist so klar nicht, denn bewusste Eltern kaufen dann doch lieber Cornetto für ihre Kleinen. Und selbst Erwachsene werden sich davor hüten, eine preislich günstigere Dreifachpackung Magnum Classic mit Erdnüssen in ihren Marktkauf-Wagen zu legen. Gerade in einer Kleinstadt kommt man leicht ins Gerede.
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