Kein Traktor blockiert mehr die Zufahrten zur Joghurt-Fabrik. Kein Alm-Öhi protestiert mehr mit Kuhglocke vorm Reichstag. Und die Tetrakartons beim Aldi sind niemals ausgegangen. Anderes interessiert die Nachrichtenmacher dieser Tage. Seit ich mit dem kleinen Auto der Liebsten unterwegs bin, verfolge ich wieder den Rundfunk. Die letzten drei Tage wurde das Rauch-Verbot thematisiert. Ganz im Sinne der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten kamen alle Seiten zu Wort, die damit zu tun haben. Vorgestern der klagende Kleinkneipen-Wirt, dem die Gäste und 30% Umsatz ausgingen. Heute Morgen ein Vertreter der Anwaltschaft, der die Absurdität im Zusammenhang mit einer Disko-Betreiberin offenlegte, die sich für ihre Großraum-Location ebenfalls in die juristische Waagschale geworfen hatte. Und der den Aspekt der sozialen Ausgrenzung von Nichtrauchern ansprach, die vor der Tür der Kneipe mit Sondergenehmigung stehen blieben, so dies in Karlsruhe entschieden werden würde. Heute Nachmittag kam endlich ein Ethik-Professor zu Wort, der zwar fast im Hyperrausch von den "fantastischen Kräften" des Nikotins sprach, aber daraus ein neues ethisches Konzept folgerte: Es sei doch weitaus schwerer, etwas nicht zu tun, das man will, als etwas neu anzufangen. Die, die einfach nur zur nächsten Zigarette nein sagen, seien die Helden unserer Tage. (Eingedenk der Tatsache, dass das Nein zur nächsten Fluffe gleichsam der Verzicht auf jede weitere impliziert.)
So viel Aufregung, wegen des Rauchens.
Vielleicht rufe ich morgen auch mal an. Seit einiger Zeit habe ich nämlich eine Geschäftsidee. Noch unpatentiert. Ich stelle mir eine Art Schwebehülle vor, die der Rauchwillige über den Kopf trägt. Für den militanten Kampfraucher wäre auch eine Art Gasmaske im Nato-Design denkbar. Am unteren Ende wird die Zigarette oder der pure Tabak eingegeben und der Rauch mittels eines Schlauchsystems in die Lunge gesogen. Somit bliebe das Persönlichkeitsrecht des Tabakkonsumenten gewahrt, der soziale Kontakt erhalten und der Qualm draußen. Ja sogar die Effizenz des Genusses könnte gesteigert werden, denn der Benutzer wäre Alphaqualmer und Passivraucher in einem.
Einen einzigen Haken sehe ich aber. Oder kann sich jemand den Malboro-Mann mit einer Trockenhaube vorstellen?
2 Kommentare:
"Haben Sie die ethische Kraft, auf diese Zigarette zu verzichten? Sie Idiot?" Den Satz probiere ich morgen aus.
Nein. (Oder war das ne rhetorische Frage?)
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