Freitag, 1. August 2008

Globetrottelnd oder Hurra, die Hälfte der Ferien liegt noch vor uns

Eine schöne Tradition ist mittlerweile unsere Fahrradreise zur Sommerferienwende geworden. In diesem Jahr entschieden wir uns dafür, eingefahrene Wege zu verlassen und bei einer richtig großen Tour über den regionalen Tellerrand zu blicken.
Da einige geneigte Leser ihren Jahresurlaub schon verbracht haben und in Büros, am Fließband und im Schacht derweil auf den nächsten Sommer zuarbeiten, sei all den Fleißigen ein kurzer Einblick in unsere Reise gewährt. Leider ohne Überblendtechnik. Dafür aber kostenfrei.
Mein Freund Frank hatte die Route schon am Tag vorher akribisch geplant. Wesentlich: Wenig Gepäck (Badehose oder keine, Wasserflasche, Multifunktionstuch) und das Vorhandensein einer Wasserstelle, denn 36 Grad hat der Sommer dort. Die Vorbereitung der Expedition lief tiefgründig: Acht Schläge Luft auf Franks Hinterrad. In den frühen Vormittagsstunden des gestrigen Tages brachen wir auf.



Nach mehrstündiger Fahrt in sengender Sonne erreichten wir die Hochebene im Südosten von D. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts verkehrte hierher noch eine dampfbetriebene Bahn. Nun liegt die Strecke in der flimmernden Hitze waise vor uns. Sogar die Schienen fehlen.

Nach rauschender Tal-Abfahrt durch den immergrünen wilden Wald bekamen wir die letzten Inseln zivilisatorischer Existenz vor die Linse. Hier ein Beobachtungspunkt des "Max-Planck-Institutes". Oder der "Carl-Zeiss-Stiftung". So genau wissen wir es nicht.



Am Mittag stehen alle Räder still. Und wir im Dschungel von P.

Wie ein glitzendes Tuch liegt die Wasserstelle von B. vor uns, bereit uns kühlend zu ummanteln. Trotz Warnung von Frank wage ich es mein Fahrrad bis an den Uferbereich zu schieben. Wir haben es bis hierher geschafft und sind nur noch Schatten unserer selbst.

Nach weiteren gefühlten 125 Kilometern - hier draußen verliert man schnell den Bezug zu Raum und Zeit - sahen wir die gigantischen Felsformationen des B.-Höhenzuges. Dort ist die Luft ganz dünn. Uns fällt das Atmen schwer. Jedenfalls teilweise.


Hier in R. ist das Ende! Vierzig Grad in der Sonne. Und kein Softeis, obwohl es in bunten Lettern plakatiert ist. Wir beratschlagen. Wir denken an die Bergkollegen von Nanga Parbat. Die Vernunft gebietet uns, die Tour nicht bis nach K. fortzusetzen. Wir kehren zurück.

Die religiösen Befindlichkeiten der Eingeborenen sind uns heilig. Nur aus großer Entfernung wagen wir es, die rituelle Waschung im River E. für das Reisetagebuch festzuhalten.


Natürlich gab es auch Momente tiefer Betroffenheit. Während wir hier das Abenteuer in uns aufsaugen, versuchen die Einheimischen unter großer Gefahr dieser Welt mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den Rücken zu kehren, um ein Stück unseres Kuchens abzubekommen. Wir winken den Boatpeople sehr nachdenklich zu. Und in solchen Augenblicken ist es egal, ob wir kreuz- oder parallelwinken.*

Am Ende unserer Reise sinnieren wir über die Gefahren, denen wir ausgeliefert gewesen sind. Zwar liegen die letzten kriegerischen Kampfhandlungen in den von uns durchradelten Gebieten schon Jahre zurück, doch weisen Relikte dieser Zeit immer noch auf die "besondere Situation" hin. Und auch die natürlichen Gefahren sind nicht zu unterschätzen. Liebe globetrottelnden Nachahmer, ein Rat von uns: Beherzigt die Warnungen der Touristenverbände!

*: Kreuz- bzw. Parallelwinken: meist Flussreisenden gewidmete Grußgestik; durch Hin- und Herbewegen der Hände erreicht, wobei sich das spezifische Kreuzwinksignal durch die gegeneinander gerichtete Bewegung der Arme ergibt, während beim Parallelwinken rechter und linker Arm in die gleiche Richtung schwenken und meist durch ein rhythmisches Federn aus den Knieen begleitet wird

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Und in der nächsten Folge : K. und F. treffen beim Radeln das gar anmutig dahinreitende FM, außerdem bekommt auch das Vorderrad noch ein paar Schläge. Bleiben Sie also dran - wenn neben den beiden Basis-Varianten die Winkfiguren für Fortgeschrittene erklärt werden, so z.B. die Welle, der Taucher, der Paddler.
Jetzt aber erst einmal Werbung : Why you are here, Paul?