Donnerstag, 19. Februar 2009

Dresden ... in den Musennestern / wohnt die süße Krankheit Gestern

So heißt es in Uwe Tellkamps Roman "Der Turm". Heute machten wir uns auf die Reise in die Tellkampsche Welt. Angesiedelt auf Dresdens Weißem Hirsch, gibt es in dieser Welt alles und doch ist nichts so, wie es im Roman ist. Es kursieren schon Das-bedeutet-das-Listen, doch aus der heutigen Erfahrung heraus muss ich sagen, dass die Quellenlage ziemlich uneindeutig ist. Wir nutzten zwei Grundlagen für unsere Expedition. Erstens einen Artikel der FAZ, der auf einer gemeinsamen Tour des Verfassers mit dem Autor Tellkamp beruht. Dieser Strecke sind wir gefolgt. Danach wussten wir, dass der Nähe eines Redakteurs zum geistigen Ursprung im Allgemeinen und der FAZ im Besonderen nicht unbedingt Glauben zu schenken ist. Die im Artikel benannte Oskar-Pietsch-Straße heißt in Wirklichkeit Oskar-Pletsch-Straße. Und als wir Tellkamps vermeintlichen Wohnort Nummer 9 fotografierten, verwies uns ein freundlicher Fußgänger auf das Haus Nummer 11. Das hatte dann auch die beschriebene Fachwerkfassade. Bewusste Täuschung des Autors oder schusslige Recherche - wir werden es nie erfahren.
Die zweite Quelle, ein mit Maschine geschriebenes Blatt, das im Dresdner Haus des Buches zum Mitnehmen auslag, betont schon in der Überschrift "Irrtum vorbehalten", hält einige Fragezeichen bereit, zumindest stimmt aber die Adresse des Wohnortes von Tellkamp. Auch erscheint die Art und Weise der Gestaltung irgendwie dissidentenhaft und damit überzeugend.
Im Bäckerladen Walther kaufe ich trotzdem wie der FAZ-Journalist eine Semmel und gebe mich als Tourist zu erkennen. "Das habe ich mir schon gedacht," sagt die Bäckerin. Und dass in letzter Zeit viel los sei hier oben.
Das Backwerk schmeckt. Wir sind zufrieden. Und letztendlich sind die örtlichen Feinheiten wenig relevant. Auf das Gefühl kommt es an.

Übrigens: Am Freitag vor den Ferien beschlich mich das große literarische Tellkamp-Gefühl schon einmal. Das war vor dem Studium der "Fachliteratur". Und ich hatte auf der falschen Seite des Elbhanges gesucht.
Die richtige Fototour gibt´s nur hier.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Sehr schöne Fotos von unserer Tour, allen Blog-Lesern sei der Link empfohlen.