Montag, 23. Februar 2009

Fasching


Bei Dietrich Schwanitz (Shakespeares Hamlet und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht) lese ich, dass die Melancholie des Titelhelden maßgeblich verantwortlich für sein Problem ist. Das habe ich schon mal gewusst, nur manches muss man eben immer wieder einmal gesagt bekommen. Und dann bin ich am Grübeln. Schließlich will ich kein Melancholiker sein. Man weiß ja, wie es für Hamlet ausgeht. Doch manchmal kommt mir nicht nur die (schwarze) Galle hoch, sondern ich finde bestimmte Sachen einfach nicht lustig ...
Gestern habe ich in Leipzig den ersten Faschingsumzug meines Lebens erlebt. Und das lief ausdrücklich nicht unter der Kategorie "Man-muss-bestimmte-Dinge-einmal-gemacht-haben". Wir sind quasi reingerutscht in den Zug der Jecken. Eine verkleidete Löwin räkelt sich aus einem Auto. Ein Mann in rot als Hydrant. Politsatire in Pappmaché vom LKW. Alte Männer in seriösen Anzügen und lächerlichen Kappen. Ein bissel Rheinland an der Pleiße ... Doch nicht nur, dass man von den hergerichteten Umzugswagen mit verbalen Lustigkeiten bombardiert wird, nein, die werfen auch hartes Naschwerk in die Massen. Dass ein in derartiger Ausgelassenheit geschleudertes Bonbon des unteren Preissegments über eine gewaltige kinetische Energie und damit Durchschlagskraft verfügt, weiß ich als Brillenträger zu bedenken und finde das eben nicht lustig. Dazu kam, dass wir als Passanten, die zufällig die gleiche Richtung wie das in Kiellinie segelnde Narren-Geschwader nahmen, den Breitseiten derer wehrlos ausgesetzt waren. Und die dachten wohl, wir wollen Süßigkeiten hamstern. War das ein Spaß?
Weniger haben sicher nur die Autofahrer gelacht, deren Kraftfahrzeuge kurz vor dem Spektakel aus dem Halteverbot geschleppt worden waren.
Wie wäre es damit:
"Nach dem Umzug und per pedes, sucht der Narr seinen Mercedes."
"Der VW auf dem Abschlepp-Hof, das findet nicht nur Wolfsburg doof."
"Die bei Opel - auch bald insolvent -, ham den Umzug glatt verpennt..." Wolle mer ne´rei´lasse?

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