Wenn das neue Schuljahr bald beginnt, ich aber noch keine Lust auf Stundenvorbereitung verspüre, gleichsam aber das Vorbereitungswochen-Gewissen drückt, gestalte ich meinen Lehrerkalender oder kaufe mir einfach ein Buch von Schöningh. Die Frau hinterm Tresen des Schulbuchzentrums grinst ein wenig hämisch, als ich bezahlen möchte. "Haben Sie Ihre Kundenkarte dabei? Dann kostet das Buch nur die Hälfte. Eine Aktion, mit der wir unsere Kunden belohnen, die ihre Karte dabei haben!" Ich bin bereit, ihr Name und Adresse zu geben, denn das Kärtchen liege daheim, doch das gilt nicht! Also mache ich mich auf den Weg nach Hause, denn morgen gibt es mein Buch vielleicht nicht mehr, wenn all die guten Lehrer ihre Karte vorzeigen. Auf dem Rad entwickle ich mir meine Gedanken. Wo liegt der Sinn? Habe ich meine Kundenkarte wie ein Personaldokument ständig bei mir zu führen? Am besten an einer Metallkordel, die mir womöglich nach dem finalen Einsatz an der pädagogischen Front von der Brust gezogen wird, um meine Identität zu bestätigen? Oder handelt es sich nur um ein Auswahlkriterium gemäß Zufallsprinzip, damit das Angebot nicht jedem zu Gute kommt. (Sie bekommen das Pfund Pflaumen für die Hälfte, wenn Sie zwei Kirschkerne dabei haben!!) Als ich später bezahlt habe, frage ich, betont freundlich, wo der Sinn der Aktion läge. Das erste Argument prallt ab. "Als Lehrer wollen Sie die Kinder doch auch dazu erziehen, dass sie immer ...." Ich verdrehe die Augen. "... und außerdem müssen wir sonst Ihre Daten im Computer suchen und das stellt einen Aufwand dar, wenn die Schlange bis dort hinten steht!" Ich denke Aha. Ich sage: "Das ist doch ein Argument!" und schaue mich um. Heute Vormittag bin ich der einzige Kunde. Dann freue ich mich über das Schnäppchen und habe irgendwie das Gefühl, dass ich wieder angekommen bin. Die Ferien sind jetzt endgültig vorbei.
Dienstag, 4. August 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentar:
...weil Du es wieder mit lauter Soziopathen zu tun hast?!
Kommentar veröffentlichen