Sonntag, 30. August 2009

Tarantiös


Bei Tarantino besiegt das Lichtspiel die Nazis. Und wir gehen beeindruckt aus dem Kino. Und diskutieren über Filmzitate. Musik. Besetzung. Kameraeinstellungen. Ja, die Schwarzweißrückblende (Kein Zutritt in die Straßenbahn mit Filmmaterial wegen der Brandgefahr) nicht als durchgängiges Prinzip wie bei "Amelie" oder "Benjamin Button". Morricone und David Bowie zu Frankreich in der Besatzungszeit. War das im Pariser Kino nicht Bela B. als Platzanweiser? Die Bedeutung von Schlagsahne in Großaufnahme.
Wir sind fasziniert, wie das Publikum atemanhaltend raunt, als Oberst Landa für Shosanna in Paris ausgerechnet ein Glas Milch bestellt. Wir erliegen dem Charme und der Perfidie Waltz´, finden Schweiger endlich einmal witzig ("Sehe ich aus, als ob ich Unruhe verbreite?") und kichern über den "Knirps" an Brad-Aldo-Raine-Pitts Seite.
Wir interpretieren und dechiffrieren. Die Figur des Landa als weitere Personifizierung des hochgebildeten Intellektuellen in Nazi-Uniform, siehe Jonathan Littell "Die Wohlgesinnten"? Sein "Überlaufen" inklusive Sprengstoffplatzierung unter dem Führerstuhl als krass-kritische Sicht auf die Rolle des militärischen Widerstands?
Und dann stellen wir uns den großen Tarantino vor, der zappelnd auf seinem Regiestuhl sitzt und sich einfach nur freut wie ein kleiner Junge.

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