Während Kommissar Frank Thiel per Drahtesel zu den leblosen Opfern durch Münster radelt, fehlt es dem Leipziger "Tatort" an lokalem Esprit. Das hat meines Erachtens nicht nur damit zu tun, dass Peter Sodann "Ehrlicher" in den wohlverdienten Ruhestand versetzt wurde. Leipzig City soll nämlich "fahrradfrei" werden. Und so hätte es Axel Prahl hier wirklich schwer, seiner Rolle angemessen den polizeilichen Dienst zu verrichten.
Während manch andere Stadt in Deutschland auf alternative Fortbewegungsmittel setzt, setzt Leipzig den zweiten Schritt vor dem ersten. Und das mit gigantischem Aufwand. Dazu gehört die Beschilderung der Innenstadt. Die aus der Straßenverkehrsordung allseits bekannten Gebots- und Verbotspiktogramme (Fußgängerzone, von 20 bis 11 Uhr für Radfahrer frei) werden durch gelbe Zusatzhinweise in lückenloser Eindeutigkeit ergänzt (Radfahrer bitte von 11 - 20 h absteigen). So jedenfalls das Ansinnen. Frank Lehmann, mein derzeitiger literarischer Lieblingsheld, würde an dieser Stelle aber schon sprachwissenschaftlich intervenieren. Nicht nur, dass das Verb "absteigen" mit seiner pejorativen Konnotation kaum einer Touristenmetropole dienlich ist, um ihre übernachtungswilligen Radreisenden gastfreundlich zu beherbergen. Auch trägt diese Bezeichnung doch den Bedeutungsinhalt "Stillstehen" in sich. Die Fußgängerzone würde bei korrekter Ausführung des lokalen Gebots von neben ihren Rädern stehenden Radlern, die alle genervt auf ihre Radcomputer schauen und auf um 8 warten, hoffnungslos verstopft sein. Die Erweiterung ... und schieben auf den Schildern brächte da zwar Abhilfe. Doch erscheint die Abkürzung "h" (so sie nicht hochgestellt ist) für "Stunde" auch nicht ganz richtig, wenn eigentlich die Uhrzeit gemeint ist. Nur bleibt fraglich, ob der Ordnunghüter in der freien Diskussion für solche Feinheiten argumentativ empfänglich ist. Auf alle Fälle waren die Beamten unterwegs, noch mahnend, doch bald kassierend, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.
Die Beobachtung zeigte, dass man vor allem langsam zum Wochenmarkt radelnde Frauen (Sind diese eigentlich mit Radfahrer angesprochen?) und Familienväter mit Kindersitz aus dem Gesundheitssattel bat und nicht den sonnebebrillten BMX-Typen mit Fluffe im Mund.
In der LVZ vom Freitag wurde die Aktion gefeiert und es kamen Betroffene zu Wort. Besonders die Position von Helga G. faszinierte mich. Zitat: Mich haben hier auch schon drängelnde Fußgänger geärgert. Darüber sollten die Stadtväter und - mütter vielleicht als nächstes nachdenken. Die Flaniermeilen fußgängerfrei zu halten, machte die Innenstadt noch verkehrsberuhigter. Doch dann kämen auch die Anhänger religiöser Splittergruppen nicht zum Zuge.
Während manch andere Stadt in Deutschland auf alternative Fortbewegungsmittel setzt, setzt Leipzig den zweiten Schritt vor dem ersten. Und das mit gigantischem Aufwand. Dazu gehört die Beschilderung der Innenstadt. Die aus der Straßenverkehrsordung allseits bekannten Gebots- und Verbotspiktogramme (Fußgängerzone, von 20 bis 11 Uhr für Radfahrer frei) werden durch gelbe Zusatzhinweise in lückenloser Eindeutigkeit ergänzt (Radfahrer bitte von 11 - 20 h absteigen). So jedenfalls das Ansinnen. Frank Lehmann, mein derzeitiger literarischer Lieblingsheld, würde an dieser Stelle aber schon sprachwissenschaftlich intervenieren. Nicht nur, dass das Verb "absteigen" mit seiner pejorativen Konnotation kaum einer Touristenmetropole dienlich ist, um ihre übernachtungswilligen Radreisenden gastfreundlich zu beherbergen. Auch trägt diese Bezeichnung doch den Bedeutungsinhalt "Stillstehen" in sich. Die Fußgängerzone würde bei korrekter Ausführung des lokalen Gebots von neben ihren Rädern stehenden Radlern, die alle genervt auf ihre Radcomputer schauen und auf um 8 warten, hoffnungslos verstopft sein. Die Erweiterung ... und schieben auf den Schildern brächte da zwar Abhilfe. Doch erscheint die Abkürzung "h" (so sie nicht hochgestellt ist) für "Stunde" auch nicht ganz richtig, wenn eigentlich die Uhrzeit gemeint ist. Nur bleibt fraglich, ob der Ordnunghüter in der freien Diskussion für solche Feinheiten argumentativ empfänglich ist. Auf alle Fälle waren die Beamten unterwegs, noch mahnend, doch bald kassierend, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.
Die Beobachtung zeigte, dass man vor allem langsam zum Wochenmarkt radelnde Frauen (Sind diese eigentlich mit Radfahrer angesprochen?) und Familienväter mit Kindersitz aus dem Gesundheitssattel bat und nicht den sonnebebrillten BMX-Typen mit Fluffe im Mund.
In der LVZ vom Freitag wurde die Aktion gefeiert und es kamen Betroffene zu Wort. Besonders die Position von Helga G. faszinierte mich. Zitat: Mich haben hier auch schon drängelnde Fußgänger geärgert. Darüber sollten die Stadtväter und - mütter vielleicht als nächstes nachdenken. Die Flaniermeilen fußgängerfrei zu halten, machte die Innenstadt noch verkehrsberuhigter. Doch dann kämen auch die Anhänger religiöser Splittergruppen nicht zum Zuge.
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