Ich schwöre ja auf die vom Esterbauer-Verlag publizierten Bike-Line-Radreise-Tourenkarten. Wollte man dem Verlagsprogramm glauben, führten die schönsten deutschen Radwege entlang deutscher Flüsse. Und das ist wohl auch so, da alles so schön eben bleibt. Meistens. Querformatig (kann ich an den Lenker klemmen), großpiktogrammig (erkenne ich auch beim schnellen Hingucken, wenn ich mich auf den Schotter konzentriere), serviceorientiert (wo kann ich für wieviel übernachten). Nur für die persönlich empfundenen Widernisse lässt der Marktführer im Bereich Radwanderkarten keinen Platz. Deshalb hier meine Hinweise für eine Samstagtour von Nebra nach Naumburg:
Der von der Bahn-AG zur Verfügung gestellte Raum für Fahrräder verhält sich umgekehrt proportional zur Nähe der von den Tagestouristen angepeilten Landschaft. Die Züge werden insgesamt niedlicher. Der Zusatz „Fahrradmitnahme begrenzt“ bedeutungsvoller.
Radsportfreunde aus Chemnitz unterhalten die Regionalbahn laut mit sächsischem Zungenschlag, der höchstens vor zwanzig Jahren bei Kati Witt charmant klang, lehnen ihre voll bepacktaschten Räder in die Burgenlandbahn (alte Reichsbahner bezeichneten diese als eine Art Straßenbahn) an die erste beste Stelle und sitzen sich 40 Minuten breit wie ihr Dialekt. Ob jemand zu-, aus- oder umsteigen möchte, ist ihnen erst einmal egal.
Auf den Radwegen an der Unstrut: Dickleibige Mitdreißiger rauschen auf 3000-Euro-Rennrädern von hinten auf den Hobbyradler auf und zischen „Vorsssiccchhhht“, um sich den ihrer Meinung nach geltenden Platz zu verschaffen.
Vor der Sektkelterei in Freyburg erklärt eine busangereiste Pensionärin aus den Altländern der auf die Führung wartenden Tischrunde die östliche Welt: „Die hatten hier ja gar nichts anderes als Rotkäppchen.“ Und: „Aber Humor hatten die hier. Kommt Honecker zu einem ...- Wie hieß der gleich mit Vornamen?“ „Erich!“.
An der Unstrut fallen einem permanent nur Lieder zur Saale ein. Obwohl auch hier die Burgen stolz und kühn steh´n.
Die Mittelaltergastronomie am Schloss Neuenburg ist hoffnungslos überfordert. Teilnehmer der Busreisegruppe drängeln ... Es sind nur Männer. Wahrscheinlich die, deren Frauen unten im Städtchen die Sektverkostung gebucht haben. Oder ein Ehemaligentreff. Hauptabteilung XX, Spionageabwehr?

Der von der Bahn-AG zur Verfügung gestellte Raum für Fahrräder verhält sich umgekehrt proportional zur Nähe der von den Tagestouristen angepeilten Landschaft. Die Züge werden insgesamt niedlicher. Der Zusatz „Fahrradmitnahme begrenzt“ bedeutungsvoller.
Radsportfreunde aus Chemnitz unterhalten die Regionalbahn laut mit sächsischem Zungenschlag, der höchstens vor zwanzig Jahren bei Kati Witt charmant klang, lehnen ihre voll bepacktaschten Räder in die Burgenlandbahn (alte Reichsbahner bezeichneten diese als eine Art Straßenbahn) an die erste beste Stelle und sitzen sich 40 Minuten breit wie ihr Dialekt. Ob jemand zu-, aus- oder umsteigen möchte, ist ihnen erst einmal egal.
Auf den Radwegen an der Unstrut: Dickleibige Mitdreißiger rauschen auf 3000-Euro-Rennrädern von hinten auf den Hobbyradler auf und zischen „Vorsssiccchhhht“, um sich den ihrer Meinung nach geltenden Platz zu verschaffen.
Vor der Sektkelterei in Freyburg erklärt eine busangereiste Pensionärin aus den Altländern der auf die Führung wartenden Tischrunde die östliche Welt: „Die hatten hier ja gar nichts anderes als Rotkäppchen.“ Und: „Aber Humor hatten die hier. Kommt Honecker zu einem ...- Wie hieß der gleich mit Vornamen?“ „Erich!“.
An der Unstrut fallen einem permanent nur Lieder zur Saale ein. Obwohl auch hier die Burgen stolz und kühn steh´n.
Die Mittelaltergastronomie am Schloss Neuenburg ist hoffnungslos überfordert. Teilnehmer der Busreisegruppe drängeln ... Es sind nur Männer. Wahrscheinlich die, deren Frauen unten im Städtchen die Sektverkostung gebucht haben. Oder ein Ehemaligentreff. Hauptabteilung XX, Spionageabwehr?

Das war aber trotzdem schön:
- Wir machen uns zeitig auf entlang der Unstrut.
- Frühherbstsonne, neue Fahrradtaschen und das MDV-Fahr-überallhin-Abo-Ticket zum Liebste Mitnehmen.
- Kastanienklappern im Fahrradkörbchen.
- Erfahren, dass es in einer Straußwirtschaft fruchtigen Wein gibt. Dafür aber keine Strauße.
- An den Radrennern von vorhin vorbei ziehen, denen auf „mäßig befahrbarem Streckenabschnitt“ die Trinkflasche aus der Karbonhalterung gehopst ist.
- Auf einer alten Schlosstreppe Bäcker-Kuchen essen.
- Weinberg-, Bergburg-, Burghang-Gucken.
- Esel sehen, Schnecken ausweichen, Reiher suchen.
- Die Liebste mahnt „Vorsicht!“, als wir an den Radprofis von vorhin vorbeiradeln, die mitten auf dem Weg trinken müssen.
- Der Liebsten zum fünften Mal die Stelle zeigen, wo ich 1991 Scherbelchen und Knöchelchen an der Burgmauer ausgegraben habe.
- Sekt statt Saft im Freyburg an der Unstrut.
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