Normalerweise sind die Tageszeitungen den Reisenden der 1. Klasse vorbehalten. Ob nun ein unerfahrener Bahn-Praktikant mit dem Austeilen beauftragt worden war oder sich ein anarchistischer Zugbegleiter eigenmächtig über Standesschranken hinweggesetzt hatte, bleibt ungeklärt. Auf jeden Fall staunte ich heute Morgen nicht schlecht, als mehrere Gazetten auf den speckigen 2. Klasse-Sitzen auslagen. "LVZ" und "Freie Presse", quasi ein kleiner Querschnitt sächsischen Journalismus´ im Regio "Saxonia". Und somit entschied ich mich gegen den dämmernden Halbschlaf und für ein intensives Zeitungsstudium. Dieses dauert bei mir übrigens höchstens zwei Stationen, doch wie gesagt, es gab unterschiedliche Presseerzeugnisse.
Den politischen Kram überfliege ich nur kurz. Rößler for Präsident! Ich weiß Bescheid. In der Chemnitzer Ausgabe stoße ich auf Interessantes, weil Berufsspezifisches. Wissenschaftler haben nämlich festgestellt, dass der Name von Kindern Einfluss darauf hat, welche Erwartungen Lehrerinnen und Lehrer an diese stellen. Das Ergebnis: Während die kleinen Chantals, Kevins und Justins eher mit Nachteilen bei ihrer Beurteilung zu rechnen haben, können heranwachsende Maximilians, Hannahs und Esthers auf Bevorteilung hoffen. Ich rezipiere zwischen den Zeilen (und deutlich aus ihnen heraus) eine Anklage in Richtung Lehrerschaft. Vorurteile! Wider der Chancengleichheit! Faule Säcke! Am Schluss des Beitrags wird zumindest darauf verwiesen, dass das Ganze auch ein bisschen was mit dem Geschmack bestimmter Bevölkerungsschichten und deren Nähe oder Ferne zur Bildung zu tun haben könnte. Soziologen benennen das Phänomen "Kevinismus", zumindest für die letztgemeinten Kreise.
Ich greife zur LVZ. Ah, die deutsche Sprachgesellschaft vergibt Patenschaften für deutsche Wörter! Für 19 Euro kann ich urkundlich beglaubigt ein Substantiv hegen und pflegen. Und wie es scheint, braucht es nicht einmal eins zu sein, das vom Aussterben bedroht ist. Das ist doch einmal etwas Schönes. Als engagierter Mensch kommt man trotzdem arg in die Bredouille (Habe ich es mir gerade mit der deutschen Sprachgesellschaft verdorben?). Für 19 Euro "Kevinismus" hätscheln. Oder doch lieber einem Kind in Sierra Leone den Schulbesuch ermöglichen?
Anmerkung:
Wenn überhaupt ein Substantiv, dann würde ich gern für "Sozialtourette" sorgen. Der Begriff stammt übrigens von Volker Strübing und bezeichnet diese kleinen überschaubaren cholerischen Ausraster, die wir alle an besonders impulsiven Menschen zu schätzen wissen.
Den politischen Kram überfliege ich nur kurz. Rößler for Präsident! Ich weiß Bescheid. In der Chemnitzer Ausgabe stoße ich auf Interessantes, weil Berufsspezifisches. Wissenschaftler haben nämlich festgestellt, dass der Name von Kindern Einfluss darauf hat, welche Erwartungen Lehrerinnen und Lehrer an diese stellen. Das Ergebnis: Während die kleinen Chantals, Kevins und Justins eher mit Nachteilen bei ihrer Beurteilung zu rechnen haben, können heranwachsende Maximilians, Hannahs und Esthers auf Bevorteilung hoffen. Ich rezipiere zwischen den Zeilen (und deutlich aus ihnen heraus) eine Anklage in Richtung Lehrerschaft. Vorurteile! Wider der Chancengleichheit! Faule Säcke! Am Schluss des Beitrags wird zumindest darauf verwiesen, dass das Ganze auch ein bisschen was mit dem Geschmack bestimmter Bevölkerungsschichten und deren Nähe oder Ferne zur Bildung zu tun haben könnte. Soziologen benennen das Phänomen "Kevinismus", zumindest für die letztgemeinten Kreise.
Ich greife zur LVZ. Ah, die deutsche Sprachgesellschaft vergibt Patenschaften für deutsche Wörter! Für 19 Euro kann ich urkundlich beglaubigt ein Substantiv hegen und pflegen. Und wie es scheint, braucht es nicht einmal eins zu sein, das vom Aussterben bedroht ist. Das ist doch einmal etwas Schönes. Als engagierter Mensch kommt man trotzdem arg in die Bredouille (Habe ich es mir gerade mit der deutschen Sprachgesellschaft verdorben?). Für 19 Euro "Kevinismus" hätscheln. Oder doch lieber einem Kind in Sierra Leone den Schulbesuch ermöglichen?
Anmerkung:
Wenn überhaupt ein Substantiv, dann würde ich gern für "Sozialtourette" sorgen. Der Begriff stammt übrigens von Volker Strübing und bezeichnet diese kleinen überschaubaren cholerischen Ausraster, die wir alle an besonders impulsiven Menschen zu schätzen wissen.
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